„Besser in einem Zug – Getränketransport per Bahn“ – Artikel im GFGH

„Besser in einem Zug – Getränketransport per Bahn“ – Artikel im GFGH

Getränketransport per Bahn bietet viele Vorteile für den Getränkefachgroßhandel – BV GFGH setzt sich für Nutzung der Schiene auf der Langestrecke ein

Auf Initiative des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen haben sich vor rund einem Jahr 56 Verbände und Organisationen gemeinsam für die Stärkung und Förderung von Gleisanschlüssen im deutschen Schienennetz eingesetzt – der BV GFGH ist einer von ihnen. Zu den Forderungen gehören unter anderem die Verbesserung der bestehenden Rahmenbedingungen und die Modernisierung der technischen Ausrüstung.

Jetzt, rund 12 Monate später, steht der Beverage-Rail-Express von @Doktor Cargo in den Startlöchern. Im Frühjahr 2025 etablierte das Logistikunternehmen eine leistungsfähige Schienenlogistik für den Getränkemarkt. Eine neue Verbindung zwischen Hamm und München bietet eine gute Alternative zum Lkw-Transport. Für die Industrie ist die Versorgung über die Schiene existenziell – der Verkehrsträger ist weniger anfällig für Staus und Fahrermangel. Pro Zug werden zwischen 60 und 80 Lkw ersetzt, was den CO2-Ausstoß um bis zu 70 Prozent reduziert.

Um die gesteckten Klimaziele zu erreichen, ist eine deutliche Reduktion der Treibhausgase notwendig. Insbesondere im Verkehrssektor müssen die CO2-Emissionen bis 2030 um mehr als 40 Prozent gegenüber 2018 gesenkt werden. Der BV GFGH setzt sich daher intensiv für die Verlagerung der Langstreckenlogistik der Getränkeindustrie auf die Schiene ein.

Den vollständigen Artikel aus der aktuellen Ausgabe 3/2025 des Fachmagazins GETRÄNKEFACHGROSSHANDEL gibt es hier.

BrauBeviale 2024: Branchentreff bot spannende Impulse für die Praxis

BrauBeviale 2024: Branchentreff bot spannende Impulse für die Praxis

BrauBeviale: Hier waren auch in diesem Jahr alle richtig, die Rohstoffe, Anlagen und Verpackungen für die Brau- und Getränkeindustrie suchen. Die Veranstaltung vom 26. bis 28. November 2024 im Messezentrum Nürnberg bündelte erneut alle Elemente für die erfolgreiche Produktion, Logistik sowie die Vermarktung von Bier und Getränken. Mit rund 820 Ausstellern in neun Hallen bot die Messe einen umfassenden Überblick über das gesamte Angebot für Brauer, Getränkehersteller und Fachbesucher der Getränkewirtschaft.

Bilder: © Jan Düfelsiek Photography

PPWR auch Thema auf der diesjährigen BrauBeviale

Der Vormittag des ersten Messetages in der Logistik Lounge in Halle 4 stand ganz im Zeichen der Packaging and Packaging Waste Regulation (PPWR). Diese wurde am 25. November 2024 – also nur einen Tag vor Messebeginn – im Umweltausschuss des EU-Parlaments verabschiedet und in der Zwischenzeit auch vom EU-Parlament abgesegnet. Das Ziel ist klar: Langfristig ressourcenschonende Maßnahmen im Bereich Verpackungen umsetzen. Vor dem Hintergrund, dass der Verpackungsmüll in Europa bei rund 195 kg pro Kopf liegt, ist die PPWR eine sinnvolle Maßnahme für den Klimaschutz, waren sich die Teilnehmer einig.

Klaus Heitlinger vom Verband der deutschen Fruchtsaft-Industrie e. V. machte auf der Bühne der Logistik Lounge deutlich, dass das aktuelle Modell der PPWR ein positives Signal für die einwegorientierte Fruchtsaft-Branche sei. Es handle sich um ein gutes Ergebnis für geregelte und ungeregelte Mehrweg-Pools. Im neuen Entwurf können unterschiedliche Verpackungstypen weiter genutzt werden – dies käme den Verbrauchern sehr entgegen. Auch die Privaten Brauereien, vertreten von Roland Demleitner, sind mit der aktuell verabschiedeten Version der PPWR grundsätzlich zufrieden. Er machte deutlich, dass die Brauereien ohnehin schon Vorreiter in Sachen Mehrweg sind – mit einer Quote von 80 Prozent. Die nunmehr von der EU-Verpackungsverordnung geforderten Quoten würden seitens vieler Mehrweganbieter in Deutschland bereits heute um ein Vielfaches übertroffen.

Weniger euphorisch war Daniel Schock vom Deutscher Brauer-Bund (DBB). Seiner Meinung nach gebe es noch zu viele Unschärfen im EU-Verpackungsgesetz, unter anderem bei der Kennzeichnungspflicht. Hier müsse bei der Ausgestaltung der delegierten Rechtsakte in den kommenden Monaten noch erheblich „nachgearbeitet“ werden. So oder so: Die PPWR sei ein klares politisches Signal für mehr Mehrweg. Auch in anderen Segmenten außerhalb der Getränkewirtschaft – das habe Auswirkung auf die Logistik in allen wirtschaftlichen Bereichen. Klar sei auch: Mehrwegverpackungen werden durch die PPWR weiteren Rückenwind bekommen. Diesen gelte es nun nachhaltig zu nutzen.

Vorbildlich nachhaltig?!

Weiter ging es am Nachmittag mit einer lebhaften Diskussion zum Thema Nachhaltigkeit. Zu Beginn des Gesprächs auf dem Podium beschrieb der Geschäftsführer von Frankenbrunnen, Frank Höhler, den Prozess seines Unternehmens hin zu einer umweltbewussten Betriebsführung. Ressourcenschonung, ein ausgeglichener Wasserhaushalt und ein eigenes Energiemanagementsystem gehören für ihn zur DNA und zu den Grundpfeilern von Frankenbrunnen.

Auch unser geschäftsführender Vorstand Dirk Reinsberg nahm an der Podiumsdiskussion teil. Er machte deutlich, dass sich der GFGH – wie die gesamte Wirtschaft – auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit befindet. Umweltverträgliches Wirtschaften werde sowohl von den Verbrauchern als auch vom Gesetzgeber immer stärker eingefordert. Sein Appell: „Wer sich im eigenen Unternehmen mit Nachhaltigkeit beschäftigt, kann in der Regel auch seinen Getränkefachgroßhandel besser positionieren und darüber hinaus langfristig wirtschaftlicher agieren. Wichtig ist in diesem Zusammenhang die gemeinsame Vernetzung und Digitalisierung innerhalb der Branche, um Aufwand und Ressourcen zu sparen.“

Ein Schritt auf diesem Weg kann die Nutzung des in Zusammenarbeit mit der Unternehmensberatung fjol entstandene Nachhaltigkeitsmanager „leadity“ sein. Mit Hilfe dieses Tools könne sich der GFGH nachhaltiger ausrichten und gleichzeitig die Voraussetzung für eine weitere Vernetzung mit Handelspartner schaffen, so Reinsberg.

Die neue Währung CO2

Im anschließenden Vortrag von Prof. Dr. Christoph Tripp, Professor an der Technischen Universität Nürnberg, ging es ebenfalls um das Thema Nachhaltigkeit – aus der Perspektive des Verkehrs. Er machte deutlich, dass der Güterverkehr bis 2040 um rund 40 Prozent zunehmen wird. Gleichzeitig muss der CO2-Verbrauch zukünftig weiter sinken – zwei Welten treffen aufeinander. Der Experte prognostizierte, dass der CO2-Preis bis 2026 auf rund 65 Euro pro Tonne steigen wird.

Die Logistikbranche sei sich ihrer Verantwortung bewusst, habe aber ein großes Umsetzungsdefizit, so Prof. Tripp. Rund sieben Prozent der globalen Emissionen werden durch Logistiktransporte verursacht. Außerdem ist der gesamte Verkehr in Deutschland für 22 Prozent der Emissionen verantwortlich. Die größten Potenziale zur Reduzierung der Umweltbelastung sah Tripp im Regional- und Fernverkehr. Die Zeit drängt, denn die EU-Gesetzgebung fordert bis 2030 eine Reduzierung der CO2-Belastung um 55 Prozent. Durchgesetzt werden soll die Anweisung unter anderem mit Zertifikaten.

Klar ist auch: Viele große Unternehmen der Getränkebranche in Deutschland haben ehrgeizige Ziele in Sachen Klimaneutralität – doch an der konkreten Umsetzung scheitert es. Ein Lösungsansatz könnte die gemeinsame Zusammenarbeit von Getränkefachgroßhandel, Herstellern und Logistikern sein. Darauf wies auch Dirk Reinsberg in der anschließenden Diskussion hin. Er machte deutlich, dass Mehrweglogistik mehr ist, als nur Vollgut von A nach B zu bringen. Auch die Art der Gebinde habe Einfluss darauf, wie Getränke und das dazugehörige Leergut transportiert werden – idealerweise in einem Kreislauf. „Wenn wir Logistik nachhaltig gestalten wollen, brauchen wir Kooperation und Vernetzung“, so Reinsberg.

„Die Branche muss sich unbedingt nachhaltiger ausrichten, um zukunftsfähig zu bleiben“

Der zweite Tag in der Logistik Lounge auf der BrauBeviale begann, wie der erste endete: Mit spannenden und zukunftsorientierten „Topics to talk about“ für die gesamte Getränkebranche. Die zentrale Frage der Diskussion: „Führt mehr Digitalisierung zu mehr Nachhaltigkeit?“

Dirk Reinsberg blickte in seinem Impuls noch einmal zurück: „Wie wichtig das Thema Nachhaltigkeit ist, wurde auch im gestrigen LogiCircle deutlich. Wir als Branche müssen uns unbedingt nachhaltiger ausrichten, um weiterhin zukunftsfähig zu bleiben.“ Er machte deutlich, dass jeder Unternehmer die Ressourcenschonung in seinem Unternehmen angehen kann. Bei der konkreten Umsetzung handle es sich allerdings nicht um einen Hundertmeterlauf, sondern um einen Marathon. Die Herausforderung sei es nun, die richten digitalen Tools zu nutzen und die richtigen Partner miteinander zu verbinden. Gemeinsam in Branchenlösungen zu denken, erleichtere den Weg hin zu mehr Umwelt- und Ressourcenschutz.

Auch auf der diesjährigen BrauBeviale wurde das Thema Kombinierter Verkehr intensiv diskutiert. Anbieter wie Doktor Cargo, bayernhafen und moovment unterstützten die Getränkebranche in Sachen Kombinierter Verkehr. In einer kurzen Podiumsdiskussion wurde auch deutlich, dass es verlässliche Partner im Transportbereich braucht – insbesondere bei der Bahn! Mittlerweile gibt es eine Vielzahl von privaten Bahnbetreibern und Pilotprojekten, um Getränke auf die Schiene zu verlagern. Bereits Anfang dieses Jahres hat sich der BV GFGH gemeinsam mit 56 weiteren Organisationen für den Ausbau des Schienengüterverkehrs eingesetzt. Eine entsprechende Charta wurde dem Bundesministerium für Digitales und Verkehr übergeben.

Wie schon im letzten Jahr bot die Logistik Lounge mit ihren zahlreichen Diskussionsrunden und Austauschmöglichkeiten viele Impulse für die gesamte Getränkebranche. Unter dem Motto „Die Effizienz der Mehrweg-Logistik“ war es dem Organisationsteam der BrauBeviale gemeinsam mit LOGIPACK, dem Organisator und Moderator der Sonderfläche, gelungen, ein breites Spektrum von interessanten Firmen für das Konzept der Lounge zu begeistern. Insbesondere die Verknüpfung zu digitalen Lösungen hat die Logistik Lounge in diesem Jahr geprägt.

Wir freuen uns aufs nächste Mal!

Höchste Eisenbahn: Die Getränkebranche gleist auf – Artikel in der Getränke Zeitung

Höchste Eisenbahn: Die Getränkebranche gleist auf – Artikel in der Getränke Zeitung

Die „Charta für die Schiene“ wurde unterzeichnet, die Meinungen der Branche sind eindeutig: Die Logistik im GFGH muss vermehrt auf die Schiene, um die Vorgaben zur Reduzierung von CO2 der Bundesregierung erreichen zu können. Unsere Branche steht bereit, braucht aber die Bahn als Partner an der Seite. Über die Herausforderungen, Chancen, den Status quo und weitere Aspekte sprach unter anderem Dirk Reinsberg mit der Getränke Zeitung. Die wichtigsten Informationen zu diesem Thema aus Ausgabe Nr. 9 vom 25. April 2024 haben wir für Sie zusammengestellt.

Zudem empfehlen wir die aktuelle Ausgabe des GZ-Podcasts mit Dirk Reinsberg. Den Podcast finden Sie unter dem nachstehenden Link.

Erfolgreiches Symposium „Werkzeugkasten zum profitablen Wachstum in degressiven Märkten“ von Huesch & Partner und BV GFGH 2024

Erfolgreiches Symposium „Werkzeugkasten zum profitablen Wachstum in degressiven Märkten“ von Huesch & Partner und BV GFGH 2024

Volles Haus: Rund 120 Teilnehmende waren zum Symposium erschienen (alle Fotos © Huesch & Partner)

Am 12. März 2024 fand in Köln das Symposium „Werkzeugkasten zum profitablen Wachstum in degressiven Märkten“ der Logistikberatung Huesch & Partner unter der Schirmherrschaft des Bundesverbandes des Deutschen Getränkefachgroßhandels (BV GFGH) statt.

„Dieses Symposium ist ein Pflichttermin für jeden, der auch künftig mit dem Handel von Getränken erfolgreich sein möchte.“

Dieses Zitat eines mittelständischen Getränkefachgroßhändlers in der letzten Kaffeepause des Symposiums beschreibt sehr gut den Nutzen und Mehrwert dieser Veranstaltung. Denn das Huesch-Symposium ist kein klassischer Vortragskongress, sondern lädt Führungskräfte und Macher aus allen Bereichen der Getränkewirtschaft zum Zuhören, Austauschen und Mitreden ein. Ein guter Platz für praxisrelevanten Austausch und konstruktives Weiterdenken zum Thema Getränkelogistik über den tagtäglichen Tellerrand hinaus.

Wie wichtig die Logistik in der Zwischenzeit für den Erfolg der gesamten Getränkewirtschaft geworden ist, betonte Gastgeber Bernd Huesch von Huesch & Partner Logistikberater in seinem Einführungsreferat. Bei den derzeit degressiven Märkten lassen sich Potenziale und Chancen am besten durch zwei Faktoren erschließen: Optimierung der Supply Chain und Digitalisierung der Prozesse. Das Management von nachhaltigen Prozessen sei derzeit unter den sich verändernden Rahmenbedingungen zwar äußerst herausfordernd, aber machbar.

Links: Bernd Huesch verdeutlicht in seinem Einführungsreferat den Stellenwert der Logistik für die Getränkebranche.

Rechts: Als Schirmherr des Huesch-Symposiums hielt Dirk Reinsberg einen beeindruckenden Impulsvortrag über die Auswirkungen gesetzlicher Rahmenbedingungen auf die gesamte Branche

Der GFGH als wichtiges Bindeglied.

Dabei kommt dem Getränkefachgroßhandel eine entscheidende Rolle zu; einerseits als Bindeglied zwischen Hersteller und Markt, andererseits durch seine großen Potenziale bei der Digitalisierung der Prozesse. Digitalisierung sei die Zwillingsschwester der Logistik. Deshalb freut es Bernd Huesch besonders, dass das Symposium auch in diesem Jahr unter der Schirmherrschaft des Bundesverbandes des Deutschen Getränkefachgroßhandels stand.

Die Brisanz und Tragweite dieser Entwicklung zeigte der geschäftsführende Vorstand des BV GFGH, Dirk Reinsberg bereits in seinem Einführungsvortrag auf. Nicht nur die viel diskutierte neue europäische Verpackungsverordnung PPWR, sondern der gesamte Green Deal mit seinen mehr als 40 Einzelverordnungen sind für einen mittelständischen GFGH bei der ersten Betrachtung kaum zu managen. Hier bietet der BV GFGH zusammen mit dem Verband des Deutschen Getränke-Einzelhandels (VDGE) und fjol mit dem gemeinsam entwickelten Nachhaltigkeitsmanagementtool eine branchenspezifische Lösung an, die die Unternehmen nachhaltig und langfristig bei der Umsetzung der individuellen Nachhaltigkeitsziele unterstützt. Glücklicherweise ist es durch kontinuierliche und konsequente Lobbyarbeit ferner gelungen, so Dirk Reinsberg, die schlimmsten Auswirkungen der PPWR zu verhindern. Er bedanke sich in diesem Zusammenhang besonders bei den anderen Verbänden der Getränkewirtschaft und den Organisationen der Branche für die gute Zusammenarbeit. Das Projekt sei ein hervorragendes Beispiel, was erreicht werden kann, wenn mehrere Partner gemeinsam agieren.

CO2 ist eine neue Währung für erfolgreiche Logistik.

„Wer Wege spart, spart auch CO2 und wer CO2 spart, wird künftig immer weniger Kosten haben.“, so Bernd Huesch in der Diskussionsrunde mit Michael Kröhl (Krombacher Brauerei) und Walter Steffens (FÜR SIE). Somit wird CO2 die neue Währung für den Erfolg der gesamten Getränkewirtschaft – für den GFGH, aber auch für Hersteller und Handel. Kurze Wege und Standardisierung sind hier die wichtigsten Instrumente, um CO2 einzusparen. Die Dienstleistungen rund um das immer wichtiger werdende Mehrwegsystem müssen bewertbar werden. Steffens bescheinigte dem GFGH seine Leegutkompetenz und strategische Rolle in einem funktionierenden Getränke-Mehrwegsystem, machte aber gleichzeitig deutlich, dass seiner Meinung nach die Kostenlast beim Hersteller und Inverkehrbringer liegt. Natürlich sah Michael Kröhl das differenzierter.

Die durch die Industrie initiierte Gebindevielfalt wird sich kaum reduzieren lassen. Komplexität und damit die Wichtigkeit der Sortierung werden steigen. Eine professionelle Leergutsortierung ergänzt z. B. das klassische Geschäftsfeld des GFGH perfekt. 

Leergutsortierung ist ein perfektes Geschäftsfeld für den GFGH.

Allerdings muss dieser gestiegene Aufwand auch entsprechend honoriert werden. Im Zusammenspiel zwischen Industrie und GFGH sind Leistung und Gegenleistung transparenter zu machen. Stetiger Austausch und ein gemeinsames Verständnis der Prozesse im Mehrwegsystem sind dafür unerlässlich. Deshalb engagiert sich der BV GFGH beim Huesch-Symposium mit bereichsübergreifender Lobbyarbeit und in der LOGISTIK LOUNGE auf der BrauBeviale.

Angeregte Diskussionsrunde: Torsten Hiller, Michael Schiekofer, Jens Berberich, Dirk Reinsberg, Walter Steffens und Michael Kröhl (v. l. n. r.)

Die Radeberger Gruppe oder Krombacher als Benchmark?

Ein Highlight des Symposiums war sicherlich die Präsentation „Vertikalisierung vom Hersteller bis zum Konsumenten“ von Jens Berberich, der bei der Radeberger Gruppe die Bereiche Einkauf, Logistik und Nachhaltigkeit verantwortet. Er gab einen Überblick über die Strategie der größten deutschen Brauereigruppe von der Produktion bis zur Leergutsortierung und zwar nicht nur mit Allgemeinplätzen, sondern durch konkrete Zahlen. Sehr interessant, einen so tiefen Einblick in die Denk- und Handlungsweise eines Big Players zu bekommen, auch oder gerade aus der Sichtweise eines GFGH.

Die offenen Zahlen und klaren Statements lösten einen lebendigen Austausch mit Michael Kröhl, dem Logistikchef der Krombacher Gruppe aus. Dessen Strategie unterscheidet sich in wichtigen Punkten von Jens Berberichs.

Bei dem abschließenden Panel wurden divergierende Positionen z. B. auch bei der Wertigkeit, also den Kosten und dem Ort der Sortierung, deutlich. Die Fraktion um Dirk Reinsberg – der LOGIPACK-Stratege Torsten Hiller, Michael Schiekofer von Getränke Ziegler sowie Bernd Huesch – betonte die Vorteile einer dezentralen Sortierung beim GFGH oder Dienstleistern, wobei besonders Jens Berberich die hohen Kosten der Leergutsortierung als Belastung für den Hersteller sieht.

Digitalisierung mit konkreten Praxisnutzen.

Wie Digitalisierung auch durch KI heute in der Praxis aussehen kann, wurde in den Beiträgen des GFGH trinkkontor, des Getränkedienstleisters flaschenpost sowie Max Huesch und Christian Kloda von Huesch & Partner deutlich.

So zeigten Dirk Huizing und Niklas Lapscheck, wie trinkkontor durch ein ausgefeiltes Bonussystem mit KI-Unterstützung seine Fahrer leistungsgerechter entlohnt, dadurch eine höhere Mitarbeiterbindung erzeugt und gleichzeitig seine Touren effizienter macht. Ein eindrucksvolles Beispiel, wie digital erhobene Daten und individuelle persönliche Leistung kein Widerspruch sein muss.

Der KI-Experte Christian Kloda von Huesch &Partner stellte ein Planungstool vor, mit dem sich Bestellmengen unter Berücksichtigung von Wettervorhersagen, Feiertagen, Objektlage und vieler variabler Faktoren planen lassen. Sehr beeindruckend war die Tatsache, dass es zwischen Planung und Realität nur eine Abweichung von ca. 1 Prozent gab. Man stelle sich vor, welche Vorteile von der Kapitalbindung über Kühlung bis zur Einsparung von Kilometern und einer optimierten Tourenplanung für einen GFGH erzielt werden können.

Ein für den GFGH besonders hilfreiches Tool stellte Max Huesch vor. Mittels relativ einfacher Power BI Methodik lassen sich die Wirtschaftlichkeit von Kunden in der Gastronomie analysieren und unterschiedliche Szenarien zur Optimierung mit variablen Faktoren eines Preis- und Konditionssystems wie Sortiment, Stoppmengen, Anzahl der Stopps durchspielen. Ein mächtiges Werkzeug zur Optimierung der internen Logistikprozesse und Verhandlungen mit Herstellern und Kunden.

In zehn Minuten vom Bestelleingang bis zur fertig konfektionierten Ware – und das bei mehreren tausend Orders täglich. Wie das durch einen digitalen Supply Chain Twin möglich wird, zeigte Christopher Messina zusammen mit Bernd Huesch am Beispiel der Flaschenpost. Besonders beeindruckend ist, dass das gesamte System mit den national mehr als 20 Standorten des Unternehmens von einem einzigen Arbeitsplatz aus gesteuert wird. Dieser greift, ähnlich wie Commander Kirk, nur ein, wenn etwas Außergewöhnliches passiert.

Wer sortiert am besten?

Wie vielschichtig ein Thema betrachtet werden kann, zeigte sich bei der Leergutsortierung. Einerseits zeigte Thorsten Weinmann von Vision-Tec, wie faszinierend eine vollautomatische Anlage konzipiert werden kann und wie sich eine derartige Anlage rechnen lässt; andererseits entbrannte eine kontroverse Diskussion, wer nun die Kosten zu tragen hat. Walter Steffens als Vorstand der FÜR SIE und dem Logistikdienstleister LHV zeigte zwar Verständnis für die hohen Investitionen, sieht aber keine Notwendigkeit für langfristige Verträge. Die Hersteller sieht er in der Pflicht, die Kosten für den Sortieraufwand des Leerguts zu tragen. Sie wären auch die Verursacher der Komplexität.

Bernd Huesch, Huesch & Partner; Dirk Huizing, trinkkontor; Christian Kloda, Huesch & Partner; Niklas Lapscheck, trinkkontor; Walter Steffens, REWE Für Sie; Christopher Messina, flaschenpost; Dirk Reinsberg, BV GFGH; Michael Kröhl, Krombacher Brauerei; Thorsten Weinmann, vision-tec; Michael Schiekofer, Ziegler Gruppe; Torsten Hiller, LOGIPACK; Jens Berberich, Radeberger Gruppe; Maximilian Huesch, Huesch & Partner (v. l. n. r.)

Mehrweg-Logistik kann keiner allein.

Der LOGIPACK-Stratege Torsten Hiller, von Bernd Huesch auch wegen seines LOGICircle als der „Vernetzer der Branche“ vorgestellt, appellierte an alle Player der Supply Chain: „Keiner kann Mehrweg-Logistik alleine. Jeder soll sich in einem nachhaltigen Mehrwegsystem so sinnvoll wie möglich vernetzen.“ Diese Anregung nahm Walter Steffens auf und regte einen „Runden Tisch der Mehrweglogistik“ an.

Michael Schiekofer berichtete von der Initiative „Getränke auf die Schiene“ mehrerer regionaler Bahnlogistiker, die sich mit Herstellern und GFGH austauschen möchten.

Sehr gut fasste Michael Schiekofer seinen Eindruck vom Symposium zusammen. Er sei voller neuer Eindrücke, habe so vieles mitgeschrieben und brenne darauf, einiges davon in die Praxis umzusetzen.

Was sich allgemein beim Huesch-Symposium hervorheben lässt, ist auf jeden Fall die Art des Austauschs. Selten sieht man so hochkarätige Vertreter der gesamten Getränkewirtschaft in so offener, sachlicher und respektvoller Diskussion und mit Verständnis für die Positionen der anderen.

Das zeigte sich beim Kommunikationsabend LOG-IN am Vorabend ebenso wie in den Pausen, auf der Bühne sowie im Auditorium. Apropos LOG-IN: Der erstmals durchgeführte Vorabendtreff im „Gilden am Zims“, der Heimat kölscher Helden, war ein voller Erfolg. Auf Einladung der Radeberger Gruppe trafen sich die meisten Symposium-Teilnehmer zum Meinungs- und Erfahrungsaustausch bei Kölsch und klassischer Kölner Küche.

Das Thema Logistik scheint als relevanter Faktor für die Zukunft der Branche angekommen zu sein: Bereits sechs Wochen vor dem Huesch-Symposium waren alle Plätze ausverkauft und trotz den Bahnstreiks am Veranstaltungstag blieb kaum ein Platz unbesetzt.

„Ein schnelles Umdenken in der Politik ist nötig!“ – Interview im GFGH

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Interview mit Dirk Reinsberg im GETRÄNKEFACHGROSSHANDEL, Ausgabe 4/2024