Nachhaltigkeit und Regionalität gewinnen beim Einkauf zunehmend an Bedeutung

Nachhaltigkeit und Regionalität gewinnen beim Einkauf zunehmend an Bedeutung

 

Im Gespräch mit dem Fachmagazin GETRÄNKEFACHGROSSHANDEL spricht Dirk Reinsberg darüber, dass die Themen Nachhaltigkeit und Regionalität bei Konsumentinnen und Konsumten zunehmend an Bedeutung gewinnen. Diese Entwicklung begünstigt, dass das Interesse an Mehrweg weiter wächst und beim Einkauf immer öfter bewusst zu Mehrwegflaschen gegriffen wird.

 

GDB-Pools mit 6,8 Milliarden Füllungen – Poolgebinde mit stabiler Entwicklung

GDB-Pools mit 6,8 Milliarden Füllungen – Poolgebinde mit stabiler Entwicklung

Presseerklärung der Genossenschaft Deutscher Brunnen eG (GDB) vom 25. März 2021:

„GDB-Pools mit 6,8 Milliarden Füllungen – Poolgebinde mit stabiler Entwicklung“

Marktdaten 2020 der Genossenschaft Deutscher Brunnen (GDB)

Die deutschen Mineralbrunnen haben im vergangenen Jahr mehr als 6,8 Milliarden Pool-Flaschen der Genossenschaft Deutscher Brunnen gefüllt. Damit haben die Poolgebinde der GDB, die die GDB-Mehrwegpools und die PETCYCLE-Kreislaufpools umfassen, einen Marktanteil von rund 41 Prozent. GDB-Vorstandvorsitzender Markus Wolff sieht damit die vielfältigen Poolgebinde im Mineralwassermarkt gestärkt: „In dem durch Corona-Pandemie, Plastik-Bashing und einem herausfordernden Marktumfeld geprägten Jahr zeigt sich die Gesamtheit der GDB-Poolgebinde als stabiler Anker, auf den sich die Mineralbrunnenunternehmen, Handelspartner wie auch Verbraucherinnen und Verbraucher verlassen können“.

2020 überschritten die Füllungen in GDB-Glas-Mehrwegpools die 4-Milliarden-Marke. Sie verzeichneten damit ein füllungsbezogenes Wachstum von 2,3 Prozent. PET-Mehrweggebinde standen hingegen wie auch PETCYCLE im zweiten Jahr in Folge unter Druck. 2020 musste das PET-Mehrweg-Segment im Mineralwasserbereich ein Minus von 6,0 Prozent hinnehmen. Innerhalb dieses Segments konnten PET-Mehrwegflaschen für Mineralwassererfrischungsgetränke ein leichtes Plus von knapp einem Prozent verbuchen.

Einer der Treiber der überaus positiven Entwicklung bei Glas sind die neuen Poolflaschen der GDB, die 2018 eingeführt wurden und das Gebindeangebot seitdem ergänzen. „Die neuen N-Gebinde machen gut zwei Jahre nach ihrer Einführung mehr als 8 Prozent der Füllungen im GDB-Glasbereich aus“, erläutert Markus Wolff. „Aber auch die klassische Perlenflasche konnte im vergangenen Jahr erneut Zuwächse verbuchen. Im Mehrweg-Segment des Mineralwassermarktes liegt der Anteil von GDB-Poolgebinden weiter bei über 70 Prozent,“ erklärt Wolff.

Die PETCYCLE-Kreislaufpools mussten 2020, wie die PET-Mehrweggebinde, im Kontext von Plastik-Bashing einen Rückgang bei den Füllzahlen um rund 17 Prozent hinnehmen. Dieses Pool-Segment war vor allem durch einen extremen Einbruch von rund 29 Prozent bei den 0,5-Liter-Gebinden geprägt. „Der Convenience-Bereich mit den kleineren Gebinden hat im monatelangen Lockdown bis heute massiv gelitten“, erläutert Wolff die Entwicklung.

Das Ziel der GDB im laufenden Jahr laute daher, gezielt dem Plastik-Bashing sowie den ungerechtfertigten Vorwürfen rund um das Marine-Littering entschieden entgegenzutreten. „PET ist ein hervorragendes und nachhaltiges Verpackungsmaterial für Mineralwasser und Mineralwasser-Erfrischungsgetränke“, unterstreicht Wolff.

Im Handelsgeschäft stagnierten die GDB-Umsätze im vergangenen Jahr. Der Umsatz sank um rund 5 Millionen Euro auf 162,1 Millionen Euro. „Als Einkaufsorganisation der Branche konnten wir uns nicht von der Branchenentwicklung lösen“, erläutert Wolff. Nach den im Februar veröffentlichten Zahlen des Verbandes Deutscher Mineralbrunnen war der Branchenabsatz 2020 um 4,7 Prozent gesunken. Mit Blick auf die andauernde Corona-Pandemie sei eine Prognose für das Jahr 2021 schwierig.

Weitere Informationen hier.

Über die Genossenschaft Deutscher Brunnen eG (GDB)

Die Genossenschaft Deutscher Brunnen (GDB) ist Einkaufs- und Serviceorganisation der deutschen Mineralbrunnen mit rund 180 Mitgliedsunternehmen. Neben dem Handelsgeschäft ist ein wesentlicher Teil ihrer Aufgaben die Steuerung der Mehrwegpools und Rücklaufsysteme der deutschen Mineralbrunnen. Zu den Tochterunternehmen der GDB gehören das PET-Kreislaufsystem PETCYCLE sowie das Unternehmen LOGICYCLE und eine Beteiligung an der INTERCYCLE GmbH.

Händlern steht das Wasser bis zum Hals – Dirk Reinsberg im Gespräch mit Getränke News

Händlern steht das Wasser bis zum Hals – Dirk Reinsberg im Gespräch mit Getränke News

Der Getränkefachgroßhandel leidet zunehmend unter der Corona-Krise. Das geht aus aktuellen Erhebungen des Branchendienstleisters Gedat Getränkedaten hervor. Während freilich Streckenlogistiker und Getränkemärkte weniger betroffen sind und manche sogar Zuwächse verzeichnen können, sieht es bei GFGHs, die auf das Gastro- und Veranstaltungsgeschäft fokussiert sind, seit Monaten düster aus (siehe Grafik unten).

Die Gastronomie ist per Verordnung geschlossen – folglich haben auch die Lieferanten zu leiden, da ihnen die Absatzkanäle wegbrechen. In der Politik scheint dies allerdings nicht überall anzukommen. Diesen Eindruck hat jedenfalls Dirk Reinsberg, geschäftsführender Vorstand des GFGH-Bundesverbands. „Ihr seid doch nicht betroffen“, heiße es da zuweilen. Dem setzt er entgegen: „Die Fachhändler dürfen handeln, aber sie können nicht handeln.“

Teilweise gelte das sogar für die Phasen zwischen den Lockdowns. Wie die Gedat-Zahlen dokumentieren, blieb die Zahl der Absatzstätten durchgängig unter dem Niveau der Vergleichsmonate 2019. Zurückzuführen ist das laut Reinsberg vor allem darauf, dass viele Gastronomie-Typen auch in diesen Monaten weiter geschlossen bleiben mussten wie etwa Discotheken, Bars oder Objekte in Sportstadien. Dabei sagten die Daten noch nicht einmal etwas über die verlorenen Mengen aus. „Viele Events oder zum Beispiel auch Messen, die weiterhin ausfallen, sind mit erheblichen Umsätzen verbunden“, so der Verbandschef.

Für viele Betriebe seit über vier Monaten „Stillstand“

Eines ist jedenfalls laut Reinsberg klar: So wie im Augenblick kann es für die Branche nicht weitergehen: „Wir haben Kollegen, die 70 bis 90 Prozent ihres Umsatzes im Außer-Haus-Geschäft erwirtschaften. Für die heißt es seit über vier Monaten ‚Stillstand‘. Das kann selbst ein gesundes Unternehmen kaum schaffen.“

Die staatlichen Wirtschaftshilfen könnten zwar prinzipiell Unternehmen über diese schwierige Zeit helfen, allerdings seien an manchen Stellen Grenzen formuliert worden, die bestimmte Betriebe ganz ausschließen. So beginnt die Antragsberechtigung überhaupt erst bei einem Umsatzausfall über 30 Prozent. Wer darunter liegt, geht leer aus.

Als weiteres Beispiel führt Reinsberg Betriebe mit mehreren Geschäftsfeldern an, deren Erträge prinzipiell miteinander verrechnet werden. So sorgte etwa die Behandlung der Brauereigasthöfe in den letzten Monaten immer wieder für Unmut: Zwar leben sie nicht allein von der Gastronomie, die zugehörigen Brauereien können aber die Verluste bei weitem nicht ausgleichen. Zusammen mit der fehlenden Öffnungsperspektive sorge dies für „Verunsicherung und Frust“, berichtet Reinsberg.

Branche braucht Fahrplan für den Re-Start

Einen Sieg hat die Branche allerdings in den letzten Tagen erringen können: Wie das Bundeswirtschaftsministerium in einem Schreiben von Ende Februar mitteilt, kann ab 1. März nun auch der Großhandel Wertverluste aus verderblicher Ware abschreiben. Besonders ins Gewicht fällt dabei Fassbier, das wegen des Ablaufs des Mindesthaltbarkeitsdatums vernichtet werden muss. Der GFGH-Bundesverband hatte wiederholt scharf kritisiert, dass die Sonderregelung zunächst nur für den Einzelhandel galt.

Trotz dieser Erleichterung verschlechtert sich die Lage der Branche zunehmend. Die Branche brauche endlich einen Fahrplan für den Re-Start, fordert Dirk Reinsberg. Dafür müssten allerdings weitere Parameter zur Risikobewertung herangezogen werden. „Wenn man allein an dem Inzidenzwert von 35 festhält, wird die Gastronomie nicht vor Ende April geöffnet“, glaubt der Verbandschef. „Und das ist wirtschaftlich nicht vertretbar.“

Die Gedat-Erhebung im Detail

In einer aktuellen Statistik hat die Gedat über die vergangenen Monate die Belieferung aller Objekte im Außer-Haus-Markt erfasst. Erwartungsgemäß sank deren Zahl mit Beginn des ersten Lockdowns am 19. März 2020 auf einen Schlag drastisch: Im April war ein Rückgang von rund 80 Prozent festzustellen. Die anschließende Erholung trat nach Ende des ersten Lockdowns ab Mai 2020 ein; im September erreichten die Zahlen ihren Höchststand.

Die von der Gedat dokumentierten Daten basieren auf der monatlichen Anzahl der durch den Getränkefachgroßhandel (meldende Betriebe im Monat über 900) belieferten Objekte.

Ein ähnliches Bild bietet sich seit dem Beginn des zweiten Lockdowns seit November 2020. Wieder stürzte die Anzahl der durch den GFGH belieferten Betriebe im Außer-Haus-Markt ab – und bis jetzt ist keine Entspannung in Sicht. Aktuelle Hochrechnungen der Gedat lassen für den Januar eher noch einen weiteren Rückgang erwarten.

Das Interview ist am 3. März 2021 in dem Online-Magazin Getränke News erschienen.

GEDAT-Zahlen zeigen Auswirkungen des Lockdowns auf den GFGH

GEDAT-Zahlen zeigen Auswirkungen des Lockdowns auf den GFGH

Presseerklärung der GEDAT Getränkedaten GmbH vom 23. Februar 2021:

Lockdown: Lieferungen an Gastronomie um rund 80 Prozent eingebrochen“

GEDAT-Zahlen zeigen Ausmaß auf den Getränkefachgroßhandel im Außer-Haus-Markt

Der Lockdown im März/April 2020 sowie der ab November 2020 geltende (Teil-) Lockdown haben die Getränkebranche schwer getroffen. Der deutsche Getränkefachgroßhandel ist unterschiedlich aufgestellt. Während Streckenlogistiker mit der Belieferung an den Lebensmittel-einzelhandel sowie Getränkeabholmärkte weniger betroffen sind, manche sogar die Anzahl der Belieferungen steigern konnten, sieht es im Außer-Haus-Markt anders aus. Wie hoch die Auswirkungen für den Getränkefachgroßhandel dort sind, zeigen Auswertungen der GEDAT Getränkedaten GmbH. Basis der Erhebung ist die Anzahl der monatlich belieferten Betriebe im Außer-Haus-Markt durch den Getränkefachgroßhandel.

Es ist zu erkennen, dass in der Vor-Corona-Zeit neben den gewöhnlichen saisonalen Schwankungen die Anzahl der monatlichen Lieferungen auf relativ konstantem Niveau bleibt. So gibt es auch 2019 das im Jahresvergleich typische hohe Niveau im Sommer und einen leichten Rückgang zum Winter. Mit Beginn des ersten Lockdowns am 19. März 2020 sinkt das Niveau auf einen Schlag drastisch. Es ist ein Rückgang von rund 80% im April festzustellen. Die anschließende Erholung tritt nach Ende des ersten Lockdowns ab Mai 2020 ein und findet ihren Höhepunkt im September des Jahres. Dabei bleibt sie aber unter dem Ursprungsniveau der Vergleichsmonate des Vorjahres 2019.

Ein ähnliches Bild zeichnet sich mit Beginn des zweiten (Teil-)Lockdowns im November 2020 ab. Wieder sinkt die Anzahl der durch den Getränkefachgroßhandel belieferten Betriebe im Außer-Haus-Markt dramatisch, diesmal auf einen Index von 24,2 und damit 60,5 Punkte weniger als im Vormonat Oktober. Der Dezember liegt auf einem Index von 22,2 und somit auf vergleichbarem Niveau. Die Prognosen der noch nicht abschließend vorliegenden Daten für den Lockdown-Monat Januar 2021 zeigen keine Entspannung. Im Gegenteil, laut derzeitiger Hochrechnung ist mit einem weiteren Rückgang zu rechnen.

Ein Blick auf die Betriebe nach Geschäftstyp zeigt unterschiedliche Verläufe. So ist die Anzahl der Lieferungen im ersten Lockdown ähnlich stark im Bereich Beherbergung um rund 85% und bei Betrieben mit Fokus auf den Getränkeverkauf um fast 90% eingebrochen. Die Speisegastronomie kommt leicht besser davon, dort ist es ein Rückgang um rund drei Viertel. Die anschließende Erholung im Sommer 2020 fällt bei den Betriebsformen recht ähnlich aus. Während der Mai noch etwas zurückhaltend ist, steigt die Anzahl der belieferten Betriebe über den Sommer wieder auf ein vergleichbares, wenn auch reduziertes Niveau von vor dem Lockdown. Die Speisegastronomie erreichte in den Sommermonaten 2020 im Vergleich zum Vorjahresmonat einen Indexwert von immerhin 83,2 im Juni (Vorjahresmonat 100), im Juli 88,4 (Vorjahresmonat 100), im August 89,7 (Vorjahresmonat 97,7) und im September einen Jahreshöchststand von 91,3 (Vorjahresmonat 98,4). Einen ähnlichen Verlauf gibt es bei den Beherbergungsbetrieben, dort sind es für den gleichen Zeitraum von Juni bis September Indexwerte von 81,8 (Vorjahresmonat 100), 90,5 (Vorjahresmonat  99,5), 91,5 (Vorjahresmonat  98,9) und 91,3 (Vorjahresmonat 97,9). Betriebe mit dem Fokus auf den Getränkeausschank können sogar leicht bessere Werte verzeichnen, dort steigt der Indexwert in diesen Monaten auf 83,7 (Vorjahresmonat 100), 90,3 (Vorjahresmonat 98,6), 91,7 (Vorjahresmonat 98,6) und im September auf einen Höchststand von 92,2 (Vorjahresmonat 97,5). Im Vergleich zum Vorjahr werden über alle Betriebsformen gesehen im September aber dennoch 6,4 Indexpunkte eingebüßt.

Der zweite Lockdown ab November 2020 führte wieder zu starken Abstürzen. Dort zählen die Betriebe mit Fokus auf den Getränkeverkauf zu den größten Verlierern und sinken mit einem Index von 13,5 erneut auf ein ähnlich niedriges Niveau wie beim ersten Lockdown. Im Vergleich zum Vormonat Oktober ist das ein Verlust von 57,2 Indexpunkten. Nicht ganz so hoch sind die Verluste bei den Beherbergungsbetrieben. Dort sinkt der Index von 82,3 im Oktober 2020 dann im November auf 23,1, was einem Verlust von 59,2 Indexpunkten entspricht. Am besten kommen Betriebe mit Ausrichtung auf den Verkauf von Speisen weg, sie sinken im November 2020 auf einen Index von 32,3. Damit verzeichnen sie einen Verlust von 53,2 Punkten zum Vormonat Oktober, dort lag der Index bei 85,5.

Zur Methodik

Die Zahlen basieren auf der monatlichen Anzahl belieferter Objekte durch den Getränkefachgroßhandel (durchschnittliche Größe der Stichprobe von meldenden GFGH pro Monat n=922). Berücksichtigt sind Lieferungen in Betriebe unterteilt auf die Schwerpunkte Ausschank von Getränken, Verkauf von Speisen und Beherbergung. Dabei ist zu beachten, dass die Übergänge fließend sind und viele Mischformen existieren. Betriebsformen mit Schwerpunkt auf Getränke umfassen neben der klassischen Kneipe auch Cafés, Bars und Gaststätten mit einer Speisekarte, die während des Lockdowns durchaus Mitnahmegeschäft betreiben können. Betriebsformen mit Schwerpunkt auf Speisen sind Restaurants und etwa Systemgastronomie, Rasthöfe, Imbisse. Zur Beherbergung zählen Betriebe mit jeglicher Ausrichtung auf Übernachtungen, wie Hotels, Pensionen oder Jugendherbergen.

Beginn des Betrachtungszeitraums ist der Monat Juni 2019, dessen Anzahl belieferter Objekte den Indexwert 100 darstellt. Über den Indexwert wird die relative Veränderung der Anzahl belieferter Objekte pro Monat im Verhältnis zum Ausgangsmonat ausgedrückt. Ein Index von 110 bedeutet eine Veränderung von +10%, ein Indexwert von 90 bedeutet eine Veränderung von -10% zum Ausgangswert.

Weitere Informationen unter: www.gedat-service.de/aktuelles | Bildmaterial

Über GEDAT Getränkedaten GmbH

GEDAT ist DIE Plattform für den Informationsaustausch in der Getränkebranche. Wir bieten automatisierte Prozesse im Bereich der indirekten Distribution. Wir verbinden über 2.000 Getränkefachgroßhändler mit rund 70 Herstellern aus den Bereichen Bier, Mineralbrunnen, AfG, Spirituose und Wein. Unabhängig vom Sortiment oder davon, ob ein Akteur national, regional oder lokal aktiv ist. Kommen auch Sie dazu! www.gedat-service.de

Brauereien fordern in offenem Brief Unterstützung von Politik

Brauereien fordern in offenem Brief Unterstützung von Politik

Berlin, 22. Februar 2021: Über 300 Brauereien fordern in einem offenen Brief Unterstützung von der Politik und senden damit in einer historischen Krise ein klares Zeichen der Solidarität!

Initiiert wurde die Aktion vom Deutschen Brauer-Bund und den Privaten Brauern. Die Unternehmen hinter den Unterschriften stehen zusammen für ca. 95 Prozent des in Deutschland gebrauten Biers. Der Getränkefachgroßhandel steht an der Seite der Brauereien, ist er doch ebenso in großen Teilen von den Schließungen der Gastronomie und Kneipen sowie dem lahmgelegten Veranstaltungswesen betroffen.

Sie finden den Brief unter: www.brauer-bund.de/OffenerBrief

Nachhaltigkeit und Regionalität gewinnen beim Einkauf zunehmend an Bedeutung

„Die Branche wird wieder in Schwung kommen“ – Dirk Reinsberg im Gespräch mit Getränke News

Der erneute Lockdown seit Anfang November hat die Krise der Gastronomie und der Getränkebranche noch einmal verschärft. Absatz- und Umsatzrückgänge haben historische Dimensionen. Davon betroffen ist auch der gastronomieorientierte Getränkefachgroßhandel (GFGH). Getränke News fragte GFGH-Bundesverbandschef Dirk Reinsberg nach den größten Herausforderungen für 2021.

Getränke News: Was werden 2021 die größten Herausforderungen der Getränkebranche sein? Ab wann erwarten Sie wirtschaftlichen Aufschwung?

Reinsberg: Unser vordringlichstes Ziel muss sein, die Pandemie gemeinschaftlich nachhaltig zu bekämpfen und einzudämmen. Gelingt uns dies, wovon ich überzeugt bin, werden wir auch im Laufe des Jahres 2021 und den Folgejahren an bisherige wirtschaftliche Erfolge anknüpfen können. Die derzeit schwer gebeutelte Gastronomie, der gastronomieorientierte Getränkefachgroßhandel und fassbierorientierte Brauer werden wieder in Schwung kommen.

Getränke News: Was fordern Sie bis dahin von der Politik?

Reinsberg: Die bereits initiierten Maßnahmen sowie Wirtschaftshilfen sollten unbürokratisch abgewickelt und ausgezahlt werden und gegebenenfalls auf ein volkswirtschaftlich vertretbares Maximum ausgeweitet werden. Gleichzeitig sollte seitens der Politik Klarheit darüber geschaffen werden, dass sich die Steuerlast der Unternehmen aufgrund der aktuell erhöhten Staatsausgaben in den nächsten Jahren nicht negativ verändern wird. Das gibt Planungssicherheit und fördert unternehmerisches Handeln. Beides brauchen wir, um die ohnehin auf der Agenda stehenden Herausforderungen anzugehen und zu meistern.

Getränke News: … die da wären?

Reinsberg: Digitalisierung und Klimawandel. Zwei Megathemen, deren Auswirkungen auch wir in der Getränkebranche unmittelbar zu spüren bekommen. Wir sollten hier die Herausforderung annehmen und aktiv handeln und gestalten. Ein Jeder im Rahmen seiner Möglichkeiten.

Getränke News: Wie sollte sich der Getränkefachgroßhandel darauf vorbereiten?

Reinsberg: Jeder Getränkefachgroßhändler muss sich die Frage stellen, wie er in einem zunehmend digitalisierten Umfeld seine internen Prozesse anpasst, optimiert und digitalisiert. In diesem Bereich ist durch die Corona-Krise eine Dynamik zu spüren, der sich kaum einer zu entziehen vermag. Digitale Netzwerke und Plattformen bilden teilweise einen vollkommen neuen Wirtschaftszweig bzw. revolutionieren bestehende
Dienstleistungsangebote. Der sich abzeichnende Wandel ist fundamental und nicht jeder ist darüber erfreut. Allerdings bietet die digitale Disruption viele Chancen. Wir müssen sie „nur“ ergreifen.

Getränke News: Stichwort Klimawandel: Inwieweit sollte die Getränkebranche hier ihren Beitrag leisten?

Reinsberg: Der Getränkefachgroßhandel ist seit Jahrzehnten wichtiger Bestandteil des Mehrwegsystems. Mehrweg ist gelebter Klimaschutz und reduziert den CO2-Ausstoß, so dass wir all unsere Anstrengungen zur Revitalisierung und zum Ausbau des Mehrwegsystems gemeinschaftlich mit unseren Partnern fortsetzen werden. In diesem Zusammenhang hoffe ich sehr, dass das Jahr 2021 einen Durchbruch für einen gemeinsamen und einheitlichen Flaschen-Mehrwegpool der Brauer bringen wird, der verbindliche Regeln für die Teilnahme definiert, Qualitätsstandards sicherstellt und gleichzeitig Neutralität und Unabhängigkeit jedes Unternehmens gewährleistet. Das wäre für das Mehrwegsystem ein wichtiger Meilenstein. Mit Blick auf die zu erreichenden Klimaziele müssen sich die Unternehmen auch in vielen anderen Bereichen noch optimieren. Klimaneutralität sollte hier im Fokus stehen.

Getränke News: Klimaschutz kostet aber auch Geld.

Reinsberg: Das ist richtig. Klimaschutz ist teuer, aber alternativlos, denn nicht zu handeln führt über kurz oder lang in ein für uns alle unkalkulierbares Fiasko, sowohl finanziell als auch menschlich. Wenn wir jetzt nicht handeln und beginnen Lebens- und Arbeitsweisen zu ändern, werden wir genauso dramatisch an der Klimakrise scheitern, wie wir daran gescheitert sind, die Ausbereitung des Coronavirus rechtzeitig zu verhindern. Die Corona- und Klimakrise haben insoweit zwei Dinge gemeinsam: Sie sind beide sehr abstrakt und daher für uns oft „sehr weit weg“. Das jedoch nur genauso lange, bis sie ihre jeweiligen verheerenden Wirkungen entfalten und damit für uns sichtbar und spürbar werden. Beide lassen sich aber auch durch klare, plan- und umsetzbare Maßnahmen und konsequentes Handeln stark beeinflussen und in unserem Sinne minimieren. Daran müssen wir arbeiten!

Das Interview ist am 19. Januar 2021 in dem Online-Magazin Getränke News erschienen.