GETRÄNKE. GROSS. HANDELN. 2026 – Alle Jahre wieder: Klassentreffen der Getränkebranche bei GGH

GETRÄNKE. GROSS. HANDELN. 2026 – Alle Jahre wieder: Klassentreffen der Getränkebranche bei GGH

Fotos: © BV GFGH/Jan Düfelsiek

„GETRÄNKE. GROSS. HANDELN. hat sich zu dem führenden Branchen-Happening entwickelt“, sagte Dirk Reinsberg im Vorfeld der Veranstaltung. Und er sollte Recht behalten: Über 600 Gäste, 33 Präsentationsstände sowie acht Referentinnen und Referenten in fünf hochklassigen Vorträgen untermauern diese Einschätzung. Beim Kommunikationsabend war den Teilnehmenden die Freude über diese Veranstaltung deutlich anzumerken.

Auch die #NetzwerkJunioren des Bundesverbandes des Deutschen Getränkefachgroßhandels trafen sich erneut im Vorfeld des Events. Dabei stand die gegenseitige Vernetzung und das „voneinander lernen“ im Fokus. Das Haus der Deutschen Geschichte in Bonn bot der jungen Generation spannende Eindrücke.

Turnusgemäß startete GETRÄNKE. GROSS. HANDELN. 2026 für die Mitglieder des Verbandes mit der internen Mitgliederversammlung. Nach einer kurzen Begrüßung durch Dirk Reinsberg machte Beiratsvorsitzender Eric Boecken deutlich: Die wirtschaftliche Lage ist angespannt, Deutschland befindet sich in der Rezession und auch 2026 wird voraussichtlich von Stagnation geprägt sein. Der Bierabsatz verzeichnet den stärksten Rückgang seit 1993 – für viele eine echte Zäsur. Auch Wein und Spirituosen sind rückläufig. Mineralwasser bleibt hingegen Durstlöscher Nummer eins in Deutschland und auch die Kampagne „Pro Mineralwasser“ in der Gastronomie wird konsequent fortgeführt. Klar ist: Die Branchenlandschaft wird sich verändern – und genau deshalb gilt es, Chancen aktiv zu nutzen. Der Getränkefachgroßhandel hat in der Vergangenheit gezeigt, dass er wandlungsfähig ist.

Zu den strategischen Schwerpunkten zählen:

  • die Weiterentwicklung von Mehrweg-Dienstleistungen,
  • die politische Arbeit rund um PPWR und Verpackungsdurchführungsgesetz,
  • intensive Gespräche mit politischen Entscheidungsträgern,
  • sowie der Ausbau des neuen BV GFGH Kompetenzzentrums.

Eine vorgestellte Umfrage zum Thema Mehrweg-Littering zeigte zudem: Viele Städte sehen kein relevantes Littering-Problem bei Mehrweg-Glasflaschen. Mehrweg bleibt damit ein zentraler Baustein nachhaltiger Getränkelogistik.

Im Rahmen der Mitgliederversammlung führte Dirk Reinsberg durch die Tagesordnung. Neben Regularien, Jahresabschlüssen sowie der Entlastung von Beirat und Vorstand standen auch Wahlen auf dem Programm: Frank Hartung und Lisa Behn wurden einstimmig als KassenprüferInnen wiedergewählt. Dem ehemaligen und langjährigen Kassenprüfer Hermann J. Schreiber wurde ausdrücklich für sein jahrzehntelanges Engagement gedankt.

Auftakt mit Auszeichnung und starkem Bekenntnis zu Mehrweg 

Die Preisverleihung „Deutschlands beste Getränkehändler“ eröffnete den offiziellen Teil von GETRÄNKE. GROSS. HANDELN. in diesem Jahr. In Kooperation mit der Rundschau für den Lebensmittelhandel wurden herausragende Konzepte in den Kategorien Getränkefachmarkt (Getränkehaus Plöchl, Weiden), Weinwelt (Kaufland Steinheim an der Murr) und Filialkonzept (FRISTO SE, Buchloe) prämiert – bewertet nach Sortimentsleistung, -pflege, Gestaltung und Gesamterscheinungsbild.

In seiner anschließenden Eröffnungsrede betonte Dirk Reinsberg die gewachsene Bedeutung von GETRÄNKE. GROSS. HANDELN. als Plattform für Austausch, Impulse und strategische Orientierung. Ein besonderer Dank galt den Ausstellern und Sponsoren für ihre langjährige Partnerschaft des Kommunikationsabends.

Inhaltlich stand ein Thema klar im Mittelpunkt: Mehrweg. Es ist die Grundlage eines erfolgreichen Geschäftsmodells im Getränkefachgroßhandel – ökologisch wie ökonomisch. Entscheidend ist die systematische Vernetzung entlang der gesamten Supply Chain. Abfallvermeidung durch Wiederverwendung bleibt die zukunftsfähigste Lösung. Seit über 20 Jahren steht das Mehrwegzeichen für eine deutsche Erfolgsgeschichte – getragen von regionalen wie nationalen Marken.

Gleichzeitig wurde die angespannte wirtschaftspolitische Lage deutlich benannt: Rezession, steigende Insolvenzen, hohe Energiepreise, stockende Digitalisierung und zunehmende Bürokratie belasten viele mittelständische Betriebe erheblich. Klare Forderung der Branche: verlässliche Rahmenbedingungen, strukturelle Reformen und spürbare Entlastungen.

Digitalisierung und KI: Vom Experiment zur strategischen Kompetenz 

Am Donnerstagabend setzte Digitalökonomin Katrin-Cécile Ziegler einen starken Impuls für die Zukunftsfähigkeit der Branche. Die Digitalisierung im Getränkefachgroßhandel ist derzeit noch heterogen – gleichzeitig verfügen die Unternehmen über ausgeprägte Risiko-Intelligenz und damit gute Voraussetzungen für strategische Transformation.

Ihre Botschaft: Daten werden nur besser, wenn man beginnt die KI zu nutzen und mit ihr experimentiert. KI ist kein disruptives Großprojekt, sondern ein Instrument zur Unterstützung bestehender Entscheidungsprozesse. Besonders stark ist sie bei Mikroentscheidungen – beim Erkennen von Mustern, beim Systematisieren von Erfahrungswissen und bei Marktvergleichen. Voraussetzung sind eine konsistente Datenbasis, klare Zielsetzungen, Transparenz und eine Unternehmenskultur, die Lernen ermöglicht.

Anschließend bot sich den Teilnehmenden der Veranstaltung viel Zeit zum gemeinsamen Austausch und Netzwerken beim Kommunikationsabend. Es ist schön zu sehen, wie positiv und ausgelassen die Branche miteinander ins Gespräch kommt. Das macht Mut für die Zukunft.

Galerien mit Impressionen der gesamten Veranstaltung finden Sie am Ende des Beitrags.

Am nächsten Morgen knüpfte Pascal Salmen, Geschäftsführer der KI-Plattform acto GmbH, inhaltlich und praxisnah an den Vortrag von Katrin-Cécile Ziegler an und zeigte, wie KI im Vertriebsalltag konkret eingesetzt werden kann. Seine Botschaft: 44 Prozent der Außendienstler gehen in den kommenden 15 Jahren in den Ruhestand – mit ihnen droht wertvolles Erfahrungswissen verloren zu gehen. KI kann helfen, dieses implizite Wissen zu sichern, Chancen sichtbar zu machen und Vertrieb strategisch zu stärken. Der Außendienst bleibt zentral – wird jedoch datenbasiert unterstützt.

Neue Konsumrealitäten und veränderte Kundenbedürfnisse 

Mit seinem Vortrag „Zwischen Kiste und Kontext“ zeigte Marketing-Experte Dr. Uwe Lebok von KONTEXT + ANALYSE eindrucksvoll, wie stark sich Getränkeindustrie und Getränkefachgroßhandel im Wandel befinden – und warum wir neue Kunden gewinnen müssen, wenn andere verloren gehen. Mit Blick auf die statistische Erhebung im Sachon-Barometer wurde deutlich, dass der Konsum von Alkohol zurückgeht. Die Trinkanlässe bleiben weiterhin bestehen. Alkoholfreies Bier wächst dynamisch, Mineralwasser legt zu, klassische Bier- und Weinsegmente sind rückläufig. 82 Prozent der Konsumenten achten auf zuckerreduzierte Produkte. Die Gen Z konsumiert situativ, funktional und weniger traditionsgebunden – sie sucht Inspiration.

Für den Getränkefachgroßhandel bedeutet das: Es reicht nicht mehr, nur Kisten zu bewegen. Entscheidend ist, Konsumkontexte aktiv mitzugestalten.

Nachhaltigkeit bleibt wirtschaftlich relevant 

Wie kann nachhaltiges Wirtschaften entlang der gesamten Wertschöpfungskette gelingen? Dieser Frage widmete sich die hochkarätig besetzte Runde mit Dr. Axel Kölle (Zentrum für Nachhaltige Unternehmensführung), Markus Frieben (Nachhaltigkeitsbeauftragter bei Borussia Mönchengladbach), Thomas Nuhn (Geschäftsführer trinkkontor) und Stefan Kauß (Leiter Nachhaltigkeit bei Bitburger Braugruppe) – mit spannenden Einblicken aus Industrie, Großhandel und Profifußball.

Ja, es stimmt: Nachhaltigkeit hat in der öffentlichen Wahrnehmung zuletzt an Präsenz verloren – ist aber wirtschaftlich relevanter denn je. Gerade regulatorische Vorgaben erhöhen den Handlungsdruck entlang der gesamten Lieferkette. Beim Getränkefachgroßhändler trinkkontor wird Nachhaltigkeit strategisch für alle Standorte gedacht – mit konkretem Ziel- und Maßnahmenplan. Mitarbeitende werden aktiv eingebunden, digitale Tools wie AI Sales oder AI Beverage sorgen für Transparenz und wirtschaftlichere Prozesse. Ein wichtiger Nebeneffekt: Nachhaltigkeit stärkt die Mitarbeiterbindung und -gewinnung spürbar.

Ein besonderes Praxisbeispiel lieferte Markus Frieben von Borussia Mönchengladbach: Nachhaltigkeit wird im Club interdisziplinär gedacht – auf dem Platz wie in der Geschäftsstelle. Täglich ist eine Schulklasse zur gesellschaftspolitischen Bildung zu Gast. Nachhaltige Partnerschaften, etwa mit Bitburger, werden sichtbar gelebt – zum Beispiel im „Bitburger Blühgarten“ am Stadion.

Die Botschaft ist klar: Nachhaltigkeit funktioniert dann besonders wirksam, wenn Industrie, Großhandel und Anwender eng zusammenarbeiten. Gerade der Getränkefachgroßhandel spielt dabei als Bindeglied eine entscheidende Rolle.

Zukunftstrends waren Teil von GGH 

Zum Abschluss unseres Branchenevents richtete Marktforscher und Geschäftsführer des IFH Köln, Dr. Kai Hudetz den Blick auf das Kaufverhalten der Zukunft: Viele Verbraucher befinden sich im Krisenmodus. Gleichzeitig wächst der Online-Handel, Social Media prägt Kaufimpulse und für fast die Hälfte der Konsumenten beginnt die Customer Journey digital. Wer online nicht sichtbar ist, findet in der Kaufentscheidung nicht statt. Preis-Leistungs-Führerschaft bedeutet heute: Bequemlichkeit, Inspiration, Verfügbarkeit und digitale Präsenz strategisch zu verbinden.

Herzlichen Dank an alle, die dabei waren – ob auf der Bühne oder im Publikum. Es war uns eine große Freude!

 

Schon jetzt im Kalender vormerken: GETRÄNKE. GROSS. HANDELN. 2027 findet am 22. & 23. Februar im INFINITY Hotel & Conference Resort Munich in Unterschleißheim bei München statt.

 

Hier finden Sie Galerien mit Impressionen der Veranstaltung (© BV GFGH/Jan Düfelsiek)

Symposium von Huesch & Partner Logistikberater mit BV GFGH: „Getränkelogistik 2030 – Zerstörung und Innovation!“

Symposium von Huesch & Partner Logistikberater mit BV GFGH: „Getränkelogistik 2030 – Zerstörung und Innovation!“

Strategien, Daten und Transformation für den Getränkefachgroßhandel

Die Getränkebranche – insbesondere der Getränkefachgroßhandel – steht vor tiefgreifenden strukturellen Veränderungen. Nachhaltigkeit, der Rückgang alkoholhaltiger Getränke, Digitalisierung und KI verändern Märkte, Wertschöpfungsketten und Geschäftsmodelle grundlegend. Genau hier setzt das Huesch-Symposium am 23. April 2026 in Köln an, das seit rund 20 Jahren unter der Schirmherrschaft des Bundesverbandes des Deutschen Getränkefachgroßhandels steht. Im Interview mit GETRÄNKEFACHGROSSHANDEL erläutern BV GFGH-Vorstand Dirk Reinsberg und Bernd Huesch, Huesch & Partner, welche Impulse die Branche erwartet.

Vertikalisierung und Kooperationen: Neue Formen der Wertschöpfung 

Ein zentrales Thema des Symposiums ist die zunehmende Vertikalisierung. Darunter versteht man die Ausweitung unternehmerischer Aktivitäten auf weitere Stufen der Wertschöpfungskette. Hersteller werden zu Händlern, Händler entwickeln Eigenmarken oder produzieren selbst. Gleichzeitig entstehen neue Kooperationsmodelle zwischen Industrie, Getränkefachgroßhandel und Lebensmitteleinzelhandel.

Insbesondere im Leergutbereich zeigen sich erhebliche Potenziale: Kooperationen können Sortierkosten und Glasneubeschaffung deutlich senken und gleichzeitig Marktanteile sichern. Konkrete Praxisbeispiele und belastbare Kalkulationen werden auf der Veranstaltung vorgestellt.

Automatisierung und KI: Vom Pilotprojekt zum Betriebssystem 

Während automatisierte Lösungen für Paletten- und Säulenkommissionierung bereits existieren, steht die Kastenkommissionierung vielerorts noch am Anfang. Auch fahrerlose Flurförderfahrzeuge und hochautomatisierte Flaschenerkennungssysteme halten zunehmend Einzug in die Branche. Deutschland nimmt hier europaweit eine führende Rolle ein. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Voraussetzung dafür sind saubere, einheitliche Stammdaten – ein Thema, das der BV GFGH seit Jahren priorisiert. „Saubere Daten sind die Basis für Digitalisierung und insbesondere für den Einsatz von KI“, so Bernd Huesch.

Praxisbeispiele zeigen schon heute, wie Getränkefachgroßhändler, Spediteure und Brauereien mithilfe von KI ihre Absatzentwicklung tagesgenau prognostizieren und daraus Ressourcen für Transport, Lager, Vertrieb und Finanzen ableiten.

Außerdem hat der BV GFGH seinen Kooperationspartner Huesch & Partner gebeten, auch einen Blick hinter die Kulissen von notwendigen Restrukturierungsprozessen zu werfen.

Impulse für eine selbstbestimmte Zukunft 

Das Huesch-Symposium 2026 versteht sich als Plattform für strategische Orientierung und operativen Austausch. Es verbindet Theorie und Praxis, Strategie und Umsetzung – mit dem klaren Ziel, den Getränkefachgroßhandel in die Lage zu versetzen, die anstehenden Veränderungen aktiv und selbstbestimmt zu gestalten.

Auch in diesem Jahr überzeugt das Symposium mit hochkarätigen Referentinnen und Referenten wie Fabian Brunke (Radeberger Gruppe), Markus Rütters (DGL), Joachim Ehlers (trinkkontor), Katrin Schilz (fritz-kola) und vielen weiteren.

In der Ausgabe 2/2026 des GETRÄNKEFACHGROSSHANDEL ist ein spannendes Interview mit Dirk Reinsberg und Bernd Huesch über das Symposium erschienen.

Treffpunkt Mehrweg: Ein erfolgreiches und hilfreiches Format feierte Premiere

Treffpunkt Mehrweg: Ein erfolgreiches und hilfreiches Format feierte Premiere

Die Idee für den „Treffpunkt Mehrweg“ entstand – ganz pragmatisch – auf einer längeren Autofahrt zwischen Dirk Reinsberg und Torsten Hiller (LOGIPACK). Was als Gedanke begann, wurde am 18. und 19. November 2025 im Kongresszentrum Dortmund zu einer neuen, erfolgreichen Branchenplattform. Rund 270 Gäste und über 20 Aussteller bestätigten: Dieses Format trifft einen Nerv – und stärkt das Thema Mehrweg sichtbar.

Ein zentrales Element des Erfolgs war das starke Engagement des BV GFGH: Der Verband übernahm die komplette Pressearbeit und Social-Media-Kommunikation, entwickelte gemeinsam mit LOGIPACK das Programm und unterstützte die Veranstaltung zusätzlich finanziell. Der erste Treffpunkt Mehrweg zeigte eindrucksvoll die Dynamik der Branche. Die Kombination aus REUSE-Expo, Fachvorträgen und Talkrunden bot einen kompakten Überblick über Innovationen, Trends und Herausforderungen entlang der Mehrwertschöpfungskette. 

Inhaltliche Impulse durch Fachvorträge und Diskussionen

Parallel zur Expo bot der Treffpunkt Mehrweg seinen Gästen im Goldsaal ein hochkarätig besetztes Vortragsprogramm, das die relevanten Zukunftsthemen der Branche in den Blick nahm. Den Auftakt machte Dirk Reinsberg, geschäftsführender Vorstand des BV GFGH, der in seinem Vortrag die zentrale Frage stellte: „Ist Mehrweg Zukunft – oder kann das weg?“ Seine Antwort war eindeutig: „An Mehrweg führt kein Weg vorbei. Die Abfallvermeidung durch Wiederverwendung ist die ökonomisch und ökologisch sinnvollste Idee der Zukunft“. Er betonte, wie wichtig unternehmerische Weitsicht, Standardisierung, die gemeinsame Nutzung von Infrastruktur und ein verbindender Wille seien, um Mehrwegsysteme wirtschaftlich tragfähig zu halten. Gleichzeitig appellierte er an die Branche, stärker zusammenzuarbeiten und Synergien zu nutzen – ein Impuls, der von den Teilnehmenden mit viel Zustimmung aufgenommen wurde.

Es folgte ein breites Spektrum an Fachbeiträgen – unter anderem von Mario Benedikt, der die Bedeutung von Mehrweg im Getränkefachmarkt beleuchtete, sowie von Volker Lange vom Fraunhofer-Institut. Er zeigte auf, dass Verpackung mittlerweile zu den Top-4-Trendfeldern der Logistik zählt und großes Potenzial für Mehrweg birgt. Er machte deutlich, dass Standardisierung, digitale Transparenz und ein ganzheitlicher Blick auf Bestände, Bedarfe und Bewegungen entscheidend für erfolgreiche Mehrwegsysteme sind.

Mehrere anschließende Talkrunden vertieften die Themen und sorgten für angeregte Diskussionen – darunter Panels zu Synergiepotenzialen, logistischen Herausforderungen, Daten und Digitalisierung sowie Mehrweg im Fachmarkt.

Besonders eindrücklich waren die Einblicke von Claudia Patzwahl, Projektleiterin für Verpackungssteuer der Stadt Tübingen. Sie teilte ihre Erfahrungen, wie die kommunale Verpackungssteuer seit drei Jahren wirkt. Und tatsächlich: Die Verpackungssteuer wirkt als Mehrwegbooster. Der Anteil des Mehrwegangebots in Tübingen stieg um 90 Prozent an – das ist ein toller Erfolg!

Vernetzung, Diskussionen und ein starkes Signal für die Zukunft

Die zwei Tage in Dortmund machten deutlich: Mehrweg ist ein wirtschaftlich relevantes, technologisch dynamisches und gesellschaftlich wichtiges Zukunftsthema. Die vielen Begegnungen, der offene Austausch und die gemeinsame Arbeit an Lösungen sorgten für eine spürbare Aufbruchstimmung.

Der starke Zuspruch aller Teilnehmenden zeigt: Die Branche ist bereit, gemeinsam neue Wege zu gehen – und der Treffpunkt Mehrweg hat dafür das passende Format geschaffen.

 

Nachstehend finden Sie eine spannende Bildergalerie mit Impressionen der beiden Veranstaltungstage. 

Fotos: Jan Düfelsiek Photography
GETRÄNKE. GROSS. HANDELN. 2025

GETRÄNKE. GROSS. HANDELN. 2025

Fotos: © Jan Düfelsiek Photography

Am 24. und 25. März war es wieder soweit: Wir haben unser jährliches Branchenevent GETRÄNKE. GROSS. HANDELN. gefeiert – mit über 600 Gästen, 33 Präsentationsständen, 4 spannenden Vorträgen und vielen mitreißenden Gesprächen. Ein absolutes Highlight stellte in diesem Jahr die sogenannte Digital Area dar, in der alle Teilnehmer mit einem Rennsimulator ihr Geschick auf einer Rennstrecke probieren konnten. Und auch der Kommunikationsabend war wieder ein voller Erfolg.

Neues Ehrenmitglied und erneute Wahl des bisherigen Beirats

Bereits am Sonntag vor Veranstaltungsbeginn trafen sich #Die NetzwerkJunioren des Bundesverbandes des Deutschen Getränkefachgroßhandels zu ihrem 3. Netzwerktreffen zum Thema „Storytelling mit Impact: Wie du zielgruppengerecht Videos mit Wow-Faktor erstellst!“.

Offiziell begann das Branchenevent mit unserer obligatorischen Mitgliederversammlung, in der der Beiratsvorsitzende Eric Boecken die Bedeutung von Mineralwasser betonte und gleichzeitig einen kritischen Blick auf den rückläufigen Bierabsatz warf. Dennoch appellierte er an alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer, positiv in die Zukunft zu blicken. Außerdem äußerte er Wünsche an die kommende Bundesregierung und hob die Plattform #Die NetzwerkJunioren hervor, um den Nachwuchs zu stärken.

Ein Höhepunkt war der Jubiläumsfilm anlässlich des 125. Bestehens des BV GFGH, der eindrucksvoll zeigte, dass Herausforderungen von damals bis heute ähnlich geblieben sind. Klar wurde aber auch: Gemeinsam lassen sich alle Hürden meistern. Zudem wurde Peter Sagasser für seine 26-jährige ehrenamtliche Tätigkeit geehrt und zum Ehrenmitglied des Verbandes ernannt.

Eric Boecken und Martin Dreyer wurden erneut zum Vorsitzenden und Stellvertreter des Beirats unseres Bundesverbandes gewählt. Darüber hinaus nahm Dirk Reinsberg die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Mitgliederversammlung mit auf einen Rundflug durch die Verbandsaktivitäten im Jahr 2024 – von Social Media über Mitglieder-Informationen bis hin zu Beratungsleistungen und Angeboten von Webinaren und Workshops.

Start der Veranstaltung

Auch in diesem Jahr fand zu Beginn unserer Branchenveranstaltung die Ehrung von Deutschlands besten Getränkehändlern 2025 durch die Rundschau für den Lebensmittelhandel in Kooperation mit dem BV GFGH statt. Kriterien wie Sortimentsvielfalt, Erscheinungsbild und Vermarktungsaktivitäten spielten eine entscheidende Rolle. Besonders innovative Ansätze wie Roboter und Infodisplays zur Digitalisierung wurden hervorgehoben, aber es wurde klar: Der Erfolg hängt maßgeblich von engagierten Mitarbeitenden vor Ort ab.

In seiner Eröffnungsrede bei GETRÄNKE. GROSS. HANDELN. 2025 erläuterte Dirk Reinsberg, dass insbesondere in der Brauerei- und Getränkewirtschaft die Zahlen derzeit alles andere als rosig sind – starke Absatzrückgänge in vielen Bereichen. Auch Wein und Spirituosen konnten nicht glänzen. Einzig die Mineralbrunnen stechen positiv hervor. Die Branche befindet sich mitten in einem Strukturwandel und die Zahl der Betriebe im GFGH ist weiter zurückgegangen. Diese Veränderungen, gepaart mit globalen und nationalen Ereignissen wie dem Krieg in der Ukraine oder dem Machtwechsel in den USA, stellen unsere Branche und unsere Gesellschaft vor immer größere Herausforderungen.

Und nun? Laut Dirk Reinsberg brauche es jetzt politische Vertreter, die mutige, aber vor allem richtige Entscheidungen treffen. Klimaschutz, eine Modernisierung des Staates und Migrationspolitik erfordern entschlossenes Handeln. Auch Entbürokratisierung muss ein zentrales Thema sein. Vor allem aber: Wir brauchen den Dialog als Schlüssel – für mehr respektvollen Austausch und weniger Polarisierung.

Galerien mit Impressionen der gesamten Veranstaltung finden Sie am Ende des Beitrags.

Vorträge und Trends

Prof. Dr. Frank Brettschneider:

Mit seinem Vortrag zur Verständlichkeit betonte der Kommunikationswissenschaftler, wie entscheidend klare Kommunikation für Akzeptanz, Vertrauen und Wettbewerbsvorteile ist. Wichtige Tipps waren: Zielgruppen klar definieren, komplexe Sprache vermeiden und passende Kommunikationsinstrumente wählen.

Dr. Robert Reiche:

Mehrweg-To-Go war sein Schwerpunkt. Er verdeutlichte, dass die Nutzung von Mehrwegbehältern eine ökologische Notwendigkeit und wirtschaftliche Chance darstellt. Dennoch gibt es Herausforderungen, z. B. beim Rücknahmesystem und bei hygienischen Standards. Reiche forderte die Getränkebranche auf, aktiv am Wandel mitzuwirken.

Sabine Rogg:

Die Zukunftstrends 2025 standen im Fokus – von innovativen Produkten wie kühlenden Sonnencremes bis hin zu wachsendem Interesse an Elektrolytgetränken. Rogg betonte, dass Konsumenten das Besondere suchen, sei es durch kreative Marken-Kollaborationen oder nachhaltige Angebote. Der Trend geht zu weniger Alkohol, mehr gesundheitsfördernden Getränken und innovativen Verkaufsorten wie Lieferdiensten.

Mineralwasser im Fokus

Den Abschluss bildeten Maik Hünefeld und Jürgen Reichle vom Verband Deutscher Mineralbrunnen. Sie zeigten die Erfolge der Kampagne „Am besten natürlich“, die seit 2022 von Weitsprung-Weltmeisterin Malaika Mihambo unterstützt wird. Ein neuer Schwerpunkt liegt nun auf der Gastronomie: Mit der Kampagne „Pro Mineralwasser in der Gastronomie“ soll die Abwanderung hin zu Leitungswasser eingedämmt und die zahlreichen Vorteile von Mineralwasser hervorgehoben werden – darunter Qualität, Nachhaltigkeit und Wertschöpfung.

Herzlichen Dank an alle, die dabei waren – ob auf der Bühne oder im Publikum. Es war uns eine große Freude!

Schon jetzt im Kalender vormerken: GETRÄNKE. GROSS. HANDELN. 2026 findet am 26. und 27. Februar im Maritim Hotel in Bonn statt.

Hier finden Sie Galerien mit Impressionen der Veranstaltung (© Jan Düfelsiek Photography)

BrauBeviale 2024: Branchentreff bot spannende Impulse für die Praxis

BrauBeviale 2024: Branchentreff bot spannende Impulse für die Praxis

BrauBeviale: Hier waren auch in diesem Jahr alle richtig, die Rohstoffe, Anlagen und Verpackungen für die Brau- und Getränkeindustrie suchen. Die Veranstaltung vom 26. bis 28. November 2024 im Messezentrum Nürnberg bündelte erneut alle Elemente für die erfolgreiche Produktion, Logistik sowie die Vermarktung von Bier und Getränken. Mit rund 820 Ausstellern in neun Hallen bot die Messe einen umfassenden Überblick über das gesamte Angebot für Brauer, Getränkehersteller und Fachbesucher der Getränkewirtschaft.

Bilder: © Jan Düfelsiek Photography

PPWR auch Thema auf der diesjährigen BrauBeviale

Der Vormittag des ersten Messetages in der Logistik Lounge in Halle 4 stand ganz im Zeichen der Packaging and Packaging Waste Regulation (PPWR). Diese wurde am 25. November 2024 – also nur einen Tag vor Messebeginn – im Umweltausschuss des EU-Parlaments verabschiedet und in der Zwischenzeit auch vom EU-Parlament abgesegnet. Das Ziel ist klar: Langfristig ressourcenschonende Maßnahmen im Bereich Verpackungen umsetzen. Vor dem Hintergrund, dass der Verpackungsmüll in Europa bei rund 195 kg pro Kopf liegt, ist die PPWR eine sinnvolle Maßnahme für den Klimaschutz, waren sich die Teilnehmer einig.

Klaus Heitlinger vom Verband der deutschen Fruchtsaft-Industrie e. V. machte auf der Bühne der Logistik Lounge deutlich, dass das aktuelle Modell der PPWR ein positives Signal für die einwegorientierte Fruchtsaft-Branche sei. Es handle sich um ein gutes Ergebnis für geregelte und ungeregelte Mehrweg-Pools. Im neuen Entwurf können unterschiedliche Verpackungstypen weiter genutzt werden – dies käme den Verbrauchern sehr entgegen. Auch die Privaten Brauereien, vertreten von Roland Demleitner, sind mit der aktuell verabschiedeten Version der PPWR grundsätzlich zufrieden. Er machte deutlich, dass die Brauereien ohnehin schon Vorreiter in Sachen Mehrweg sind – mit einer Quote von 80 Prozent. Die nunmehr von der EU-Verpackungsverordnung geforderten Quoten würden seitens vieler Mehrweganbieter in Deutschland bereits heute um ein Vielfaches übertroffen.

Weniger euphorisch war Daniel Schock vom Deutscher Brauer-Bund (DBB). Seiner Meinung nach gebe es noch zu viele Unschärfen im EU-Verpackungsgesetz, unter anderem bei der Kennzeichnungspflicht. Hier müsse bei der Ausgestaltung der delegierten Rechtsakte in den kommenden Monaten noch erheblich „nachgearbeitet“ werden. So oder so: Die PPWR sei ein klares politisches Signal für mehr Mehrweg. Auch in anderen Segmenten außerhalb der Getränkewirtschaft – das habe Auswirkung auf die Logistik in allen wirtschaftlichen Bereichen. Klar sei auch: Mehrwegverpackungen werden durch die PPWR weiteren Rückenwind bekommen. Diesen gelte es nun nachhaltig zu nutzen.

Vorbildlich nachhaltig?!

Weiter ging es am Nachmittag mit einer lebhaften Diskussion zum Thema Nachhaltigkeit. Zu Beginn des Gesprächs auf dem Podium beschrieb der Geschäftsführer von Frankenbrunnen, Frank Höhler, den Prozess seines Unternehmens hin zu einer umweltbewussten Betriebsführung. Ressourcenschonung, ein ausgeglichener Wasserhaushalt und ein eigenes Energiemanagementsystem gehören für ihn zur DNA und zu den Grundpfeilern von Frankenbrunnen.

Auch unser geschäftsführender Vorstand Dirk Reinsberg nahm an der Podiumsdiskussion teil. Er machte deutlich, dass sich der GFGH – wie die gesamte Wirtschaft – auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit befindet. Umweltverträgliches Wirtschaften werde sowohl von den Verbrauchern als auch vom Gesetzgeber immer stärker eingefordert. Sein Appell: „Wer sich im eigenen Unternehmen mit Nachhaltigkeit beschäftigt, kann in der Regel auch seinen Getränkefachgroßhandel besser positionieren und darüber hinaus langfristig wirtschaftlicher agieren. Wichtig ist in diesem Zusammenhang die gemeinsame Vernetzung und Digitalisierung innerhalb der Branche, um Aufwand und Ressourcen zu sparen.“

Ein Schritt auf diesem Weg kann die Nutzung des in Zusammenarbeit mit der Unternehmensberatung fjol entstandene Nachhaltigkeitsmanager „leadity“ sein. Mit Hilfe dieses Tools könne sich der GFGH nachhaltiger ausrichten und gleichzeitig die Voraussetzung für eine weitere Vernetzung mit Handelspartner schaffen, so Reinsberg.

Die neue Währung CO2

Im anschließenden Vortrag von Prof. Dr. Christoph Tripp, Professor an der Technischen Universität Nürnberg, ging es ebenfalls um das Thema Nachhaltigkeit – aus der Perspektive des Verkehrs. Er machte deutlich, dass der Güterverkehr bis 2040 um rund 40 Prozent zunehmen wird. Gleichzeitig muss der CO2-Verbrauch zukünftig weiter sinken – zwei Welten treffen aufeinander. Der Experte prognostizierte, dass der CO2-Preis bis 2026 auf rund 65 Euro pro Tonne steigen wird.

Die Logistikbranche sei sich ihrer Verantwortung bewusst, habe aber ein großes Umsetzungsdefizit, so Prof. Tripp. Rund sieben Prozent der globalen Emissionen werden durch Logistiktransporte verursacht. Außerdem ist der gesamte Verkehr in Deutschland für 22 Prozent der Emissionen verantwortlich. Die größten Potenziale zur Reduzierung der Umweltbelastung sah Tripp im Regional- und Fernverkehr. Die Zeit drängt, denn die EU-Gesetzgebung fordert bis 2030 eine Reduzierung der CO2-Belastung um 55 Prozent. Durchgesetzt werden soll die Anweisung unter anderem mit Zertifikaten.

Klar ist auch: Viele große Unternehmen der Getränkebranche in Deutschland haben ehrgeizige Ziele in Sachen Klimaneutralität – doch an der konkreten Umsetzung scheitert es. Ein Lösungsansatz könnte die gemeinsame Zusammenarbeit von Getränkefachgroßhandel, Herstellern und Logistikern sein. Darauf wies auch Dirk Reinsberg in der anschließenden Diskussion hin. Er machte deutlich, dass Mehrweglogistik mehr ist, als nur Vollgut von A nach B zu bringen. Auch die Art der Gebinde habe Einfluss darauf, wie Getränke und das dazugehörige Leergut transportiert werden – idealerweise in einem Kreislauf. „Wenn wir Logistik nachhaltig gestalten wollen, brauchen wir Kooperation und Vernetzung“, so Reinsberg.

„Die Branche muss sich unbedingt nachhaltiger ausrichten, um zukunftsfähig zu bleiben“

Der zweite Tag in der Logistik Lounge auf der BrauBeviale begann, wie der erste endete: Mit spannenden und zukunftsorientierten „Topics to talk about“ für die gesamte Getränkebranche. Die zentrale Frage der Diskussion: „Führt mehr Digitalisierung zu mehr Nachhaltigkeit?“

Dirk Reinsberg blickte in seinem Impuls noch einmal zurück: „Wie wichtig das Thema Nachhaltigkeit ist, wurde auch im gestrigen LogiCircle deutlich. Wir als Branche müssen uns unbedingt nachhaltiger ausrichten, um weiterhin zukunftsfähig zu bleiben.“ Er machte deutlich, dass jeder Unternehmer die Ressourcenschonung in seinem Unternehmen angehen kann. Bei der konkreten Umsetzung handle es sich allerdings nicht um einen Hundertmeterlauf, sondern um einen Marathon. Die Herausforderung sei es nun, die richten digitalen Tools zu nutzen und die richtigen Partner miteinander zu verbinden. Gemeinsam in Branchenlösungen zu denken, erleichtere den Weg hin zu mehr Umwelt- und Ressourcenschutz.

Auch auf der diesjährigen BrauBeviale wurde das Thema Kombinierter Verkehr intensiv diskutiert. Anbieter wie Doktor Cargo, bayernhafen und moovment unterstützten die Getränkebranche in Sachen Kombinierter Verkehr. In einer kurzen Podiumsdiskussion wurde auch deutlich, dass es verlässliche Partner im Transportbereich braucht – insbesondere bei der Bahn! Mittlerweile gibt es eine Vielzahl von privaten Bahnbetreibern und Pilotprojekten, um Getränke auf die Schiene zu verlagern. Bereits Anfang dieses Jahres hat sich der BV GFGH gemeinsam mit 56 weiteren Organisationen für den Ausbau des Schienengüterverkehrs eingesetzt. Eine entsprechende Charta wurde dem Bundesministerium für Digitales und Verkehr übergeben.

Wie schon im letzten Jahr bot die Logistik Lounge mit ihren zahlreichen Diskussionsrunden und Austauschmöglichkeiten viele Impulse für die gesamte Getränkebranche. Unter dem Motto „Die Effizienz der Mehrweg-Logistik“ war es dem Organisationsteam der BrauBeviale gemeinsam mit LOGIPACK, dem Organisator und Moderator der Sonderfläche, gelungen, ein breites Spektrum von interessanten Firmen für das Konzept der Lounge zu begeistern. Insbesondere die Verknüpfung zu digitalen Lösungen hat die Logistik Lounge in diesem Jahr geprägt.

Wir freuen uns aufs nächste Mal!

Erfolgreiches Symposium „Werkzeugkasten zum profitablen Wachstum in degressiven Märkten“ von Huesch & Partner und BV GFGH 2024

Erfolgreiches Symposium „Werkzeugkasten zum profitablen Wachstum in degressiven Märkten“ von Huesch & Partner und BV GFGH 2024

Volles Haus: Rund 120 Teilnehmende waren zum Symposium erschienen (alle Fotos © Huesch & Partner)

Am 12. März 2024 fand in Köln das Symposium „Werkzeugkasten zum profitablen Wachstum in degressiven Märkten“ der Logistikberatung Huesch & Partner unter der Schirmherrschaft des Bundesverbandes des Deutschen Getränkefachgroßhandels (BV GFGH) statt.

„Dieses Symposium ist ein Pflichttermin für jeden, der auch künftig mit dem Handel von Getränken erfolgreich sein möchte.“

Dieses Zitat eines mittelständischen Getränkefachgroßhändlers in der letzten Kaffeepause des Symposiums beschreibt sehr gut den Nutzen und Mehrwert dieser Veranstaltung. Denn das Huesch-Symposium ist kein klassischer Vortragskongress, sondern lädt Führungskräfte und Macher aus allen Bereichen der Getränkewirtschaft zum Zuhören, Austauschen und Mitreden ein. Ein guter Platz für praxisrelevanten Austausch und konstruktives Weiterdenken zum Thema Getränkelogistik über den tagtäglichen Tellerrand hinaus.

Wie wichtig die Logistik in der Zwischenzeit für den Erfolg der gesamten Getränkewirtschaft geworden ist, betonte Gastgeber Bernd Huesch von Huesch & Partner Logistikberater in seinem Einführungsreferat. Bei den derzeit degressiven Märkten lassen sich Potenziale und Chancen am besten durch zwei Faktoren erschließen: Optimierung der Supply Chain und Digitalisierung der Prozesse. Das Management von nachhaltigen Prozessen sei derzeit unter den sich verändernden Rahmenbedingungen zwar äußerst herausfordernd, aber machbar.

Links: Bernd Huesch verdeutlicht in seinem Einführungsreferat den Stellenwert der Logistik für die Getränkebranche.

Rechts: Als Schirmherr des Huesch-Symposiums hielt Dirk Reinsberg einen beeindruckenden Impulsvortrag über die Auswirkungen gesetzlicher Rahmenbedingungen auf die gesamte Branche

Der GFGH als wichtiges Bindeglied.

Dabei kommt dem Getränkefachgroßhandel eine entscheidende Rolle zu; einerseits als Bindeglied zwischen Hersteller und Markt, andererseits durch seine großen Potenziale bei der Digitalisierung der Prozesse. Digitalisierung sei die Zwillingsschwester der Logistik. Deshalb freut es Bernd Huesch besonders, dass das Symposium auch in diesem Jahr unter der Schirmherrschaft des Bundesverbandes des Deutschen Getränkefachgroßhandels stand.

Die Brisanz und Tragweite dieser Entwicklung zeigte der geschäftsführende Vorstand des BV GFGH, Dirk Reinsberg bereits in seinem Einführungsvortrag auf. Nicht nur die viel diskutierte neue europäische Verpackungsverordnung PPWR, sondern der gesamte Green Deal mit seinen mehr als 40 Einzelverordnungen sind für einen mittelständischen GFGH bei der ersten Betrachtung kaum zu managen. Hier bietet der BV GFGH zusammen mit dem Verband des Deutschen Getränke-Einzelhandels (VDGE) und fjol mit dem gemeinsam entwickelten Nachhaltigkeitsmanagementtool eine branchenspezifische Lösung an, die die Unternehmen nachhaltig und langfristig bei der Umsetzung der individuellen Nachhaltigkeitsziele unterstützt. Glücklicherweise ist es durch kontinuierliche und konsequente Lobbyarbeit ferner gelungen, so Dirk Reinsberg, die schlimmsten Auswirkungen der PPWR zu verhindern. Er bedanke sich in diesem Zusammenhang besonders bei den anderen Verbänden der Getränkewirtschaft und den Organisationen der Branche für die gute Zusammenarbeit. Das Projekt sei ein hervorragendes Beispiel, was erreicht werden kann, wenn mehrere Partner gemeinsam agieren.

CO2 ist eine neue Währung für erfolgreiche Logistik.

„Wer Wege spart, spart auch CO2 und wer CO2 spart, wird künftig immer weniger Kosten haben.“, so Bernd Huesch in der Diskussionsrunde mit Michael Kröhl (Krombacher Brauerei) und Walter Steffens (FÜR SIE). Somit wird CO2 die neue Währung für den Erfolg der gesamten Getränkewirtschaft – für den GFGH, aber auch für Hersteller und Handel. Kurze Wege und Standardisierung sind hier die wichtigsten Instrumente, um CO2 einzusparen. Die Dienstleistungen rund um das immer wichtiger werdende Mehrwegsystem müssen bewertbar werden. Steffens bescheinigte dem GFGH seine Leegutkompetenz und strategische Rolle in einem funktionierenden Getränke-Mehrwegsystem, machte aber gleichzeitig deutlich, dass seiner Meinung nach die Kostenlast beim Hersteller und Inverkehrbringer liegt. Natürlich sah Michael Kröhl das differenzierter.

Die durch die Industrie initiierte Gebindevielfalt wird sich kaum reduzieren lassen. Komplexität und damit die Wichtigkeit der Sortierung werden steigen. Eine professionelle Leergutsortierung ergänzt z. B. das klassische Geschäftsfeld des GFGH perfekt. 

Leergutsortierung ist ein perfektes Geschäftsfeld für den GFGH.

Allerdings muss dieser gestiegene Aufwand auch entsprechend honoriert werden. Im Zusammenspiel zwischen Industrie und GFGH sind Leistung und Gegenleistung transparenter zu machen. Stetiger Austausch und ein gemeinsames Verständnis der Prozesse im Mehrwegsystem sind dafür unerlässlich. Deshalb engagiert sich der BV GFGH beim Huesch-Symposium mit bereichsübergreifender Lobbyarbeit und in der LOGISTIK LOUNGE auf der BrauBeviale.

Angeregte Diskussionsrunde: Torsten Hiller, Michael Schiekofer, Jens Berberich, Dirk Reinsberg, Walter Steffens und Michael Kröhl (v. l. n. r.)

Die Radeberger Gruppe oder Krombacher als Benchmark?

Ein Highlight des Symposiums war sicherlich die Präsentation „Vertikalisierung vom Hersteller bis zum Konsumenten“ von Jens Berberich, der bei der Radeberger Gruppe die Bereiche Einkauf, Logistik und Nachhaltigkeit verantwortet. Er gab einen Überblick über die Strategie der größten deutschen Brauereigruppe von der Produktion bis zur Leergutsortierung und zwar nicht nur mit Allgemeinplätzen, sondern durch konkrete Zahlen. Sehr interessant, einen so tiefen Einblick in die Denk- und Handlungsweise eines Big Players zu bekommen, auch oder gerade aus der Sichtweise eines GFGH.

Die offenen Zahlen und klaren Statements lösten einen lebendigen Austausch mit Michael Kröhl, dem Logistikchef der Krombacher Gruppe aus. Dessen Strategie unterscheidet sich in wichtigen Punkten von Jens Berberichs.

Bei dem abschließenden Panel wurden divergierende Positionen z. B. auch bei der Wertigkeit, also den Kosten und dem Ort der Sortierung, deutlich. Die Fraktion um Dirk Reinsberg – der LOGIPACK-Stratege Torsten Hiller, Michael Schiekofer von Getränke Ziegler sowie Bernd Huesch – betonte die Vorteile einer dezentralen Sortierung beim GFGH oder Dienstleistern, wobei besonders Jens Berberich die hohen Kosten der Leergutsortierung als Belastung für den Hersteller sieht.

Digitalisierung mit konkreten Praxisnutzen.

Wie Digitalisierung auch durch KI heute in der Praxis aussehen kann, wurde in den Beiträgen des GFGH trinkkontor, des Getränkedienstleisters flaschenpost sowie Max Huesch und Christian Kloda von Huesch & Partner deutlich.

So zeigten Dirk Huizing und Niklas Lapscheck, wie trinkkontor durch ein ausgefeiltes Bonussystem mit KI-Unterstützung seine Fahrer leistungsgerechter entlohnt, dadurch eine höhere Mitarbeiterbindung erzeugt und gleichzeitig seine Touren effizienter macht. Ein eindrucksvolles Beispiel, wie digital erhobene Daten und individuelle persönliche Leistung kein Widerspruch sein muss.

Der KI-Experte Christian Kloda von Huesch &Partner stellte ein Planungstool vor, mit dem sich Bestellmengen unter Berücksichtigung von Wettervorhersagen, Feiertagen, Objektlage und vieler variabler Faktoren planen lassen. Sehr beeindruckend war die Tatsache, dass es zwischen Planung und Realität nur eine Abweichung von ca. 1 Prozent gab. Man stelle sich vor, welche Vorteile von der Kapitalbindung über Kühlung bis zur Einsparung von Kilometern und einer optimierten Tourenplanung für einen GFGH erzielt werden können.

Ein für den GFGH besonders hilfreiches Tool stellte Max Huesch vor. Mittels relativ einfacher Power BI Methodik lassen sich die Wirtschaftlichkeit von Kunden in der Gastronomie analysieren und unterschiedliche Szenarien zur Optimierung mit variablen Faktoren eines Preis- und Konditionssystems wie Sortiment, Stoppmengen, Anzahl der Stopps durchspielen. Ein mächtiges Werkzeug zur Optimierung der internen Logistikprozesse und Verhandlungen mit Herstellern und Kunden.

In zehn Minuten vom Bestelleingang bis zur fertig konfektionierten Ware – und das bei mehreren tausend Orders täglich. Wie das durch einen digitalen Supply Chain Twin möglich wird, zeigte Christopher Messina zusammen mit Bernd Huesch am Beispiel der Flaschenpost. Besonders beeindruckend ist, dass das gesamte System mit den national mehr als 20 Standorten des Unternehmens von einem einzigen Arbeitsplatz aus gesteuert wird. Dieser greift, ähnlich wie Commander Kirk, nur ein, wenn etwas Außergewöhnliches passiert.

Wer sortiert am besten?

Wie vielschichtig ein Thema betrachtet werden kann, zeigte sich bei der Leergutsortierung. Einerseits zeigte Thorsten Weinmann von Vision-Tec, wie faszinierend eine vollautomatische Anlage konzipiert werden kann und wie sich eine derartige Anlage rechnen lässt; andererseits entbrannte eine kontroverse Diskussion, wer nun die Kosten zu tragen hat. Walter Steffens als Vorstand der FÜR SIE und dem Logistikdienstleister LHV zeigte zwar Verständnis für die hohen Investitionen, sieht aber keine Notwendigkeit für langfristige Verträge. Die Hersteller sieht er in der Pflicht, die Kosten für den Sortieraufwand des Leerguts zu tragen. Sie wären auch die Verursacher der Komplexität.

Bernd Huesch, Huesch & Partner; Dirk Huizing, trinkkontor; Christian Kloda, Huesch & Partner; Niklas Lapscheck, trinkkontor; Walter Steffens, REWE Für Sie; Christopher Messina, flaschenpost; Dirk Reinsberg, BV GFGH; Michael Kröhl, Krombacher Brauerei; Thorsten Weinmann, vision-tec; Michael Schiekofer, Ziegler Gruppe; Torsten Hiller, LOGIPACK; Jens Berberich, Radeberger Gruppe; Maximilian Huesch, Huesch & Partner (v. l. n. r.)

Mehrweg-Logistik kann keiner allein.

Der LOGIPACK-Stratege Torsten Hiller, von Bernd Huesch auch wegen seines LOGICircle als der „Vernetzer der Branche“ vorgestellt, appellierte an alle Player der Supply Chain: „Keiner kann Mehrweg-Logistik alleine. Jeder soll sich in einem nachhaltigen Mehrwegsystem so sinnvoll wie möglich vernetzen.“ Diese Anregung nahm Walter Steffens auf und regte einen „Runden Tisch der Mehrweglogistik“ an.

Michael Schiekofer berichtete von der Initiative „Getränke auf die Schiene“ mehrerer regionaler Bahnlogistiker, die sich mit Herstellern und GFGH austauschen möchten.

Sehr gut fasste Michael Schiekofer seinen Eindruck vom Symposium zusammen. Er sei voller neuer Eindrücke, habe so vieles mitgeschrieben und brenne darauf, einiges davon in die Praxis umzusetzen.

Was sich allgemein beim Huesch-Symposium hervorheben lässt, ist auf jeden Fall die Art des Austauschs. Selten sieht man so hochkarätige Vertreter der gesamten Getränkewirtschaft in so offener, sachlicher und respektvoller Diskussion und mit Verständnis für die Positionen der anderen.

Das zeigte sich beim Kommunikationsabend LOG-IN am Vorabend ebenso wie in den Pausen, auf der Bühne sowie im Auditorium. Apropos LOG-IN: Der erstmals durchgeführte Vorabendtreff im „Gilden am Zims“, der Heimat kölscher Helden, war ein voller Erfolg. Auf Einladung der Radeberger Gruppe trafen sich die meisten Symposium-Teilnehmer zum Meinungs- und Erfahrungsaustausch bei Kölsch und klassischer Kölner Küche.

Das Thema Logistik scheint als relevanter Faktor für die Zukunft der Branche angekommen zu sein: Bereits sechs Wochen vor dem Huesch-Symposium waren alle Plätze ausverkauft und trotz den Bahnstreiks am Veranstaltungstag blieb kaum ein Platz unbesetzt.