BGA-Pressemitteilung: Teil-Lockdown hat dramatische Folgen für viele Großhandelsbetriebe

BGA-Pressemitteilung: Teil-Lockdown hat dramatische Folgen für viele Großhandelsbetriebe

Nachdem gestern bereits die Verbände-Allianz der Getränkewirtschaft zu den drohenden Folgen des „Lockdown light“ für die Großhändler Stellung bezogen hat, zieht heute unser Spitzenverband, der Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen e.V. (BGA) nach.

Pressemitteilung vom 3. November 2020:

BGA: Teil-Lockdown hat dramatische Folgen für viele Großhandelsbetriebe

„Der erneute temporäre Lockdown für Gastronomie, Freizeiteinrichtungen und weitere Wirtschaftsbereiche hat existenziell bedrohliche Folgen für viele Unternehmen im Groß- und Außenhandel, die mit diesen Branchen auf das engste verzahnt sind. Wir plädieren daher eindringlich, diese Unternehmen nicht zu vergessen und sie in die beschlossene außerordentliche Wirtschaftshilfe miteinzubeziehen. Um die Folgen abzumildern, muss auch den mittelbar betroffenen Zulieferbetrieben dringend geholfen werden.“ Dies erklärt Anton F. Börner, Präsident des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA), im Hinblick auf die grundsätzliche Bereitschaft der Politik, Unterstützungsmaßnahmen auch für diejenigen Unternehmen zu ergreifen, die indirekt, aber in vergleichbarer Weise durch die Anordnungen der Politik betroffenen sind.

„Die fast immer familiengeführten mittelständischen Unternehmen haben sich zu einem bedeutenden Teil als Lieferanten von Nahrungs- und Genussmitteln sowie Getränken auf ihre Kunden in Gastronomie und Freizeiteinrichtungen hochspezialisiert. So entfallen beispielsweise im Bereich des Großhandels für Foodservice und weiteren Bereichen des Zustellgroßhandels mit der Schließung der Hauptkundengruppe Gastronomie über 60 Prozent der Geschäfte. Ähnlich dramatisch ist die Situation für kleine Fachgroßhändler, die ausschließlich die Gastronomie mit beispielsweise Fleisch, Obst und Nonfood-Produkten beliefern. Solche Unternehmen sind somit von der Schließung ebenso betroffen wie die Gastronomen selbst. Sie sehen sich nun sehr kurzfristig und unverschuldet mit erneuten massiven Umsatzeinbrüchen in den kommenden Wochen konfrontiert und bangen um ihre betriebliche Existenz und die ihrer Familien und Beschäftigten. Diese Betriebe brauchen zum Überleben gleichermaßen staatliche Unterstützung. Zudem kann nur so gewährleistet werden, dass die jetzt geschlossenen Sektoren schnell wieder durchstarten können. Diejenigen Unternehmen im Großhandel, die von den jetzigen Schließungsmaßnahmen in Gastronomie und Freizeiteinrichtungen stark betroffenen sind, müssen daher unbedingt in die außerordentliche Wirtschaftshilfe miteinbezogen werden“, so Börner abschließend.

ANSPRECHPARTNER FÜR DIE MEDIEN
André Schwarz, Pressesprecher
Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen e.V.
Am Weidendamm 1A
10117 Berlin
Telefon: +49 30 590099520
E-Mail: andre.schwarz@bga.de

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Gemeinsame Presse­erklärung der Getränke­wirtschaft: Wirksame Hilfen und klare Perspektiven – jetzt!

Gemeinsame Presse­erklärung der Getränke­wirtschaft: Wirksame Hilfen und klare Perspektiven – jetzt!

Gemeinsame Presseerklärung vom 2. November 2020:

Wirksame Hilfen und klare Perspektiven – jetzt!

Die Beschlüsse von Bund und Ländern zur heute in Kraft getretenen Schließung von Gaststätten, Bars, Clubs, Diskotheken und Kneipen haben nicht nur für die Gastronomie dramatische Auswirkungen. Auch die Getränkewirtschaft mit mehreren tausend mittelständischen und handwerklichen Betrieben wird durch die Maßnahmen massiv belastet. Die Verbände der Getränkewirtschaft erklären sich solidarisch mit Gastronomie und Hotellerie – sie sind und bleiben unsere wichtigsten Partner.

Ob Restaurant, Hotel oder die Kneipe um die Ecke – das Gastgewerbe hat in den vergangenen Monaten immense Anstrengungen geleistet, um die Vorgaben für den Infektionsschutz umzusetzen. Die Corona-Pandemie stellt für die gesamte Gesellschaft eine sehr ernsthafte Bedrohung dar. Viele Betriebe sind deshalb teilweise noch über die staatlichen Standards hinausgegangen und haben bis zuletzt in Hygienekonzepte und Außenbereiche investiert, um auch während der kalten Jahreszeit für Gäste und Mitarbeiter einen sicheren Betrieb gewährleisten zu können. Umso bitterer ist es für die Gastronomie, dass nun ein erneuter Lockdown erfolgt, der die existenzbedrohten Betriebe nach einer kurzen Phase der Erholung zur Schließung zwingt. Zu Recht weist die Gastronomie auf das hohe Maß des Infektionsschutzes hin und stellt die Frage, wie viele der bisher nachgewiesenen Infektionen tatsächlich auf Gaststätten oder Hotels zurückzuführen sind. Wir sind überzeugt: Nur wenn politische Entscheidungen auf einem festen wissenschaftlichen Fundament stehen, werden sie ein Höchstmaß an Akzeptanz finden. Die Schließung der Gastronomie dürfte dazu führen, dass sich noch mehr soziale Kontakte ins Private verlagern und damit ins Unsichtbare, wo sie wirksamen Hygienekonzepten und einer Nachverfolgbarkeit entzogen sind.

Begründet wurde die erneute Schließung der Gastronomie von Bund und Ländern damit, dass im Gegenzug andere Bereiche der Wirtschaft und der Gesellschaft geöffnet bleiben können. Wenn der Staat mit Blick auf das Gemeinwesen gezielt einen einzelnen Wirtschaftsbereich besonderen Belastungen aussetzt, steht er in der Pflicht, die betroffenen Betriebe und Mitarbeiter auch besonders zu unterstützen. Wir begrüßen die Absicht der Bundesregierung, „massiv wirtschaftliche und finanzielle Hilfe anzubieten“. Und wir erwarten, dass die angekündigten Hilfen nunmehr schnell und unbürokratisch auf den Weg gebracht werden. Es muss aber auch sichergestellt sein, dass über die Gastronomie hinaus ähnlich schwer betroffene Betriebe der (Liefer-)Kette eine Unterstützung erhalten, die diesen Namen verdient und das Überleben dieser Betriebe sichert.

Gaststätten und Hotels, Kneipen und Bars, Clubs und Caterer, Event- und Konzertveranstalter, Getränkewirtschaft und andere Zulieferer – sie alle brauchen nicht nur Unterstützung, sondern auch eine klare Perspektive für die Zukunft. Viele dieser familiengeführten Unternehmen stehen in der Corona-Krise am Abgrund und erwarten eine Politik mit Augenmaß, die bereit ist zu einer ehrlichen Analyse der Situation, einschließlich der zeitlichen Horizonte, und einer offenen Diskussion notwendiger Maßnahmen. Ziel muss es sein, Unsicherheit zu ersetzen durch Strategien, die den Gesundheitsschutz der Bevölkerung sicherstellen und gleichzeitig das Überleben von unverschuldet in Not geratenen Betrieben.

Ansprechpartner für die Medien

Dirk Reinsberg, Geschäftsführender Vorstand
Bundesverband des Deutschen Getränkefachgroßhandels e.V

Monschauer Str. 7
40549 Düsseldorf
Telefon: +49 211 683938
reinsberg@bv-gfgh.de
www.bv-gfgh.de

Holger Eichele, Hauptgeschäftsführer
Deutscher Brauer-Bund e.V.

Neustädtische Kirchstr. 7A
10117 Berlin
Telefon: +4930 20916725
eichele@brauer-bund.de
www.brauer-bund.de

Udo Kremer, Geschäftsführer
Verband Deutscher Mineralbrunnen e.V.

Kennedyallee 28
53175 Bonn
Telefon: +49 228 9599012
udo.kremer@vdm-bonn.de
www.vdm-bonn.de

Klaus Heitlinger, Geschäftsführer
Verband der deutschen Fruchtsaftindustrie e.V.

Mainzer Straße 253
53179 Bonn
Telefon: +49 228 954600
heitlinger@fruchtsaft.org
www.fruchtsaft.org

Roland Demleitner, Geschäftsführer
Verband Private Brauereien Deutschland e.V.
Rheinstraße 11
65549 Limburg
Telefon: +49 6431 52048
info@private-brauereien.de
www.private-brauereien.de

Dr. Detlef Groß, Hauptgeschäftsführer
Wirtschaftsvereinigung Alkoholfreie Getränke e.V.

Monbijouplatz 11
10178 Berlin
Telefon: +49 30 259 2580
dgross@wafg.de
www.wafg.de

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Eine Branche in Not: Dirk Reinsberg im Gespräch mit Getränke News über die Auswirkungen der zweiten Welle

Eine Branche in Not: Dirk Reinsberg im Gespräch mit Getränke News über die Auswirkungen der zweiten Welle

Die zweite Corona-Welle rollt – mit verheerenden Folgen für die Gastronomie und damit auch den Getränkefachgroßhandel (GFGH). Das gerade verabschiedete neue Hilfspaket der Bundesregierung werde nicht reichen, um das Schlimmste zu verhindern, meint Dirk Reinsberg. Getränke News sprach mit dem GFGH-Bundesverbandschef über eine Branche in Not.

Getränke News: Die Corona-Pandemie gibt – nach einer leichten Entspannung im Sommer – wieder Anlass zu großer Sorge und erinnert an die schlimme Situation im Frühjahr: Angesichts des weitgehenden Lockdowns fürchteten in der Umfrage Ihres Verbands vom April über 40 Prozent um die Existenz. Wie ist denn der GFGH bisher durch die Krise gekommen?

Reinsberg: Das ist sehr unterschiedlich. Händler, die vor allem den Lebensmittelhandel beliefern oder eigene Märkte betreiben, sind im Allgemeinen gut oder zufriedenstellend über den Sommer gekommen. Die Kollegen hingegen, die stark vom Gastronomie- und Veranstaltungsgeschäft leben, für die ist die Lage teilweise desaströs. Da sehen wir Rückgänge von 50, 60 und mehr Prozent. Das kann sich kein Unternehmen lange leisten. Hier und da wird es ernsthafte Gespräche geben, wie es weitergeht.

Getränke News: Mit der „Überbrückungshilfe II“ bringt die Bundesregierung jetzt ein weiteres Corona-Hilfspaket für kleine und mittelständische Unternehmen an den Start. Wie groß ist der Nutzen des Pakets für die Gastronomie- und Veranstaltungsbranche, von
deren Wohlergehen der GFGH ja direkt abhängt?

Reinsberg: Man muss das Paket im Zusammenhang mit den Maßnahmen sehen, die die Bundesregierung sonst noch getroffen hat: Eines der entscheidendsten Elemente ist das Kurzarbeitergeld, das bereits im August bis Ende 2021 verlängert wurde. Das ermöglicht Unternehmen schon einmal, in schwierigen Zeiten ihr Personal zu halten. Zur Entlastung trägt auch bei, dass Unternehmen Sozialversicherungsbeiträge zurückerstattet bekommen können. Jetzt kommt noch die so genannte „Überbrückungshilfe II“ hinzu; dahinter stehen immerhin 25 Milliarden Euro, die an in Not geratene Unternehmen aller Branchen verteilt werden können. Darin wurden einige Webfehler, die das erste Hilfspaket noch hatte, repariert: Bekanntlich waren die Hürden für eine Beantragung anfangs sehr hoch: Kleinstunternehmen und Soloselbständige konnten die Leistungen gar nicht in Anspruch nehmen. Auch die Grenzen bei den  Umsatzrückgängen wurden abgesenkt: Von Hilfen können jetzt schon Unternehmen profitieren, die von April bis August 30 Prozent Rückgänge hatten. Zuvor musste der Verlust bei mindestens 50 Prozent liegen. Nicht zuletzt wurden die Zuschüsse erhöht, die an einzelne Betriebe ausgezahlt werden können. Und wir sprechen hier ausschließlich von Summen, die nicht zurückgezahlt werden müssen. Wenn es den betroffenen Gastronomen durch das neue Paket besser geht, profitiert davon auch der Getränkefachgroßhandel.

Getränke News: Wird das aus Ihrer Sicht reichen, um das Schlimmste zu verhindern?

Reinsberg: Nein, das wird nicht reichen. Die Situation in der Gastronomie spitzt sich ja gerade noch einmal extrem zu. Zu den dramatisch steigenden Infektionszahlen kommt, dass die Gäste wegen der kälteren Witterung nicht mehr draußen sitzen können. Aktuell gibt es zudem vielerorts immer mehr Einschränkungen wie Sperrstunden und Alkoholverbote, die die Handlungsspielräume weiter eingrenzen. Wenn eine Gaststätte um 21 Uhr oder früher schließen muss, kann der Wirt vielleicht jeden Tisch nur einmal am Abend belegen. Es ist die Frage, ob es sich dann überhaupt lohnt zu öffnen. Das Ganze kommt am Ende einem schleichenden Lockdown gleich.

Getränke News: Wie könnte es also weitergehen?

Reinsberg: Die Überbrückungshilfe II läuft bis zum Jahresende. Dann kommt eine weitere Durststrecke: Januar bis März sind ohnehin schlechte Monate für die Gastronomie. Wer bis dorthin überlebt, wird spätestens dann in noch größere wirtschaftliche Schwierigkeiten
geraten. Wenn wir in Zukunft noch Gastronomiebesuche und Veranstaltungen genießen wollen, werden wir weitere Hilfen für die gesamte Branche und ihre Partner brauchen. Das weiß aber auch die Bundesregierung: Das Bundeswirtschaftsministerium arbeitet bereits an
einem weiteren Hilfspaket.

Getränke News: Wo sehen Sie Schwächen, wo müsste nachgebessert werden?

Reinsberg: Ach, man kann natürlich immer sagen, es muss noch mehr sein … Andererseits muss man auch realistisch bleiben: Was kann sich der Staat am Ende überhaupt leisten? Das neue Paket heißt bezeichnenderweise „Überbrückungshilfe“, das heißt, es soll helfen, über
das tiefe Tal hinwegzukommen. Nicht mehr und nicht weniger. Und dazu ist das Paket grundsätzlich in der Lage. Entscheidend wird sein, dass es in den nächsten Wochen und Monaten keine weiteren einschneidenden Restriktionen gibt und die Hilfen in 2021 fortgesetzt und ggfs. für die besonders betroffene Veranstaltungs-, Gastronomie- und Tourismuswirtschaft und deren Partner spezifiziert werden.

Getränke News: Zurzeit steigen die Corona-Infektionszahlen stark. Was glauben Sie: Worauf muss sich die Branche in den nächsten Monaten einstellen?

Reinsberg: Der Blick in andere europäische Länder unter anderem mit Sperrstunden und Ausgangssperren macht nicht gerade Mut. Natürlich hoffe ich, dass die Lage nicht eskaliert und wir nicht einen weiteren Lockdown bekommen. Insoweit appelliere ich an die Politik, Augenmaß bei der Festlegung weiterer Maßnahmen walten zu lassen und an alle anderen, nicht aus Gleichgültigkeit oder wirtschaftlicher Not im Alltag leichtsinnig zu werden. Sicherlich ist es sinnvoller, jetzt etwas kürzer zu treten und dadurch wenigstens ein paar Einnahmen zu  erzielen, statt dann über Wochen gar kein Geschäft machen zu können. Das Schlimmste wäre, wenn jetzt noch einmal für vier Wochen die  Lichter ausgehen würden.

Das Interview ist am 28. Oktober 2020 in dem Online-Magazin Getränke News erschienen.

 

„Branche braucht Mut und Optimismus“

„Branche braucht Mut und Optimismus“

Damit die deutsche Wirtschaft mit einem „Wumms“ aus der Corona-Krise kommt, hat sich der Koalitionsausschuss auf ein zweites umfangreiches Konjunkturpaket verständigt. Insgesamt werden damit in den nächsten Monaten branchenübergreifend 130 Milliarden Euro verteilt. Dem Online-Magazin Getränke News erklärte GFGH-Bundesverbandschef Dirk Reinsberg, in welchem Maße das Paket dem Getränkefachgroßhandel nutzen kann.

Getränke News: Wie beurteilen Sie das Paket ganz allgemein?

Reinsberg: Wir als Bundesverband begrüßen das grundsätzlich. Es kommt auch unserer sehr frühzeitig erhobenen Forderung nach einem weiteren, branchenübergreifenden Hilfspaket nach. Viele durch den Lockdown angeschlagene mittelständische Unternehmen in der Gastronomie- und Veranstaltungsbranche, dem gastronomieorientierten Getränkefachgroßhandel und auf Seiten der Brauereien brauchen eine nachhaltige finanzielle Unterstützung, um die nächsten Monate wirtschaftlich zu überleben. Hier kann das mit 25 Milliarden taxierte Hilfspaket für Unternehmen des Mittelstandes durchaus helfen.

Getränke News: Bei dem ersten Paket der Bundesregierung wurde oft kritisiert, dass es vor allem Hilfen umfasste, die zurückgezahlt werden müssen – was viele Unternehmen angesichts der gravierenden Krisenfolgen gar nicht werden leisten können …

Reinsberg: Das ist bei dem zweiten Paket anders. Die hier als „Überbrückungshilfen“ angeführten Gelder sind keine Darlehen, sondern echte Liquiditätshilfen. Unternehmen, die extrem unter der Corona-Krise leiden, da sie monatelang keinen Umsatz generieren konnten, kann jetzt doch geholfen werden. Bedauerlich finde ich aber, dass die Unterstützung nur beantragen kann, wer mindestens 50 Prozent Umsatz verloren hat. Natürlich müssen irgendwo Grenzen gezogen werden. Aber da hätte ich mir eine andere Lösung gewünscht.

Getränke News: Das Paket enthält auch einige Maßnahmen, die Unternehmen helfen sollen, ihre Lkw-Flotten zu modernisieren. Wie schätzen Sie das ein?

Reinsberg: Das ist absolut zu begrüßen. Da werden wirklich Anreize gegeben, in klimaschonende Mobilität und Zukunftstechnologien zu investieren. Das hilft Industrie und Handel, kurzfristig wieder Fuß zu fassen und langfristig ihre Wettbewerbsfähigkeit zu sichern.

Getränke News: Aber hat der von Corona gebeutelte GFGH derzeit nicht andere Sorgen als seinen Fuhrpark zu modernisieren? Fehlt ihm da nicht trotz Förderung das Geld?

Reinsberg: Bei diesem Thema denke ich in der aktuellen Situation weniger an Gastronomieund Event-orientierte Unternehmen. Aber Fachhändler mit umfangreichem Streckengeschäft oder der Belieferung des Getränke-Einzelhandels hatten unter der Krise ja nicht so stark zu leiden. Und die Programme sind langfristig angelegt, laufen teilweise über einen Zeitraum von anderthalb Jahren. Wenn die Krise überstanden ist, kann das Paket tatsächlich dazu dienen, im Fachhandel Flotten zu modernisieren.

Getränke News: Gilt das nach Ihrer Einschätzung auch für die in dem Paket genannte Förderung der Digitalisierung?

Reinsberg: Die Digitalisierung hat durch die Corona-Krise einen unerwarteten Schub bekommen. Vieles, was im letzten Jahr noch unvorstellbar erschien, ist bei Endverbrauchern wie in Unternehmen ganz schnell Realität geworden. Spätestens jetzt muss jedem klar sein, dass der Prozess nicht mehr aufzuhalten ist.

Entscheidend für unsere Branche ist nun die Art und Weise, wie die Kunden in Gastronomie und Einzelhandel mit digitalisierten Bestellmöglichkeiten umgehen. Ein Fax zur Bestellung kann nicht mehr funktionieren. Das müssen auch die Kunden akzeptieren. Die Digitalisierung wird eines der entscheidenden Themen der nächsten Wochen, Monate und Jahre sein. Insofern steckt auch in dieser Krise eine Chance, die es zu nutzen gilt. Dabei helfen auch die Förderprogramme.

Getränke News: Also ist das Konjunkturpaket für Sie alles in allem gelungen?

Reinsberg: Na ja, auf die Mehrwertsteuerreduzierung hätte ich gut verzichten können. Die kurzfristige Reduzierung zum 1. Juli und die zeitliche Begrenzung bis zum 31. Dezember stellt die Unternehmen vor erhebliche Herausforderungen. Für sechs Monate – innerhalb von
nicht einmal vier Wochen – Preise anzupassen und ggfs. Preisschilder, Preislisten und Kataloge neu zu gestalten sowie elektronische Systeme und Kassen umzustellen, ist wirtschaftlicher Wahnsinn.

Der gut gemeinte Ansatz, über eine Mehrwertsteuerreduzierung Nachfrage zu stimulieren und Umsatz zu fördern, könnte sich für Teile der Wirtschaft – insbesondere im Einzelhandel – ins Gegenteil verkehren. Aufwand und Kosten der Umsetzung belasten die Unternehmen überproportional. Und dabei ist wohl mehr als fraglich, ob die kurzfristige und temporäre Steuersenkung um drei Prozentpunkte überhaupt den erhofften Kaufimpuls gibt. Dafürtrinkt doch keiner auch nur ein Bier mehr. Das hilft allenfalls den Anbietern von Kassensystemen.

Getränke News: Aber damit wird die Branche wohl leben müssen …

Reinsberg: Zusammen mit anderen Verbänden der Getränkewirtschaft haben wir in der letzten Woche das Wirtschafts- und das Finanzministerium angeschrieben und darum gebeten, dass es zumindest im B2B-Bereich bei 19 Prozent bleibt. Da ist die Mehrwertsteuer doch sowieso ein durchlaufender Posten. Auch das Pfand als Besonderheit in der Branche sollte ausgeklammert werden. Es entstehen sonst einfach nur Mehrkosten, ohne dass die Maßnahme auf das Ziel das Pakets einzahlen würde.

Getränke News: Wie schätzen Sie inzwischen ganz allgemein die Stimmung in der Branche ein?

Reinsberg: Eins ist klar: Nach der Corona-Krise werden die Umsatz- und Ergebniszahlen nicht mehr so sein wie zuvor. Aber immerhin ist die aussichtslose Zeit des Lockdowns vorbei. Vieles hängt jetzt davon ab, wie sich der Endverbraucher verhält, ob er wieder in die Gastronomie geht. Auch für den GFGH ist das ein entscheidender Faktor.

Dabei ist noch völlig offen, wie viele Gastronomen die Krise nicht überleben werden. Branchenkenner gehen davon aus, dass 25 bis 30 Prozent sich nicht erholen werden. Das wären Schließungen in einem nie gekannten Ausmaß. Wir sollten uns dennoch auf den Standpunkt stellen „das Glas ist nicht halbleer, sondern halbvoll“, wie es ein Verbandsmitglied mir jüngst sagte. Die Branche braucht jetzt Mut und Optimismus.

Das Interview ist am 17.06.2020 in dem Online-Magazin Getränke News erschienen und steht hier zum Download bereit.

 

Brauerei-Besichtigung im eigenen Auto war voller Erfolg

Brauerei-Besichtigung im eigenen Auto war voller Erfolg

Wie launcht man mitten in der Coronazeit ein neues Produkt? Die Brauerei Hachenburger beweist Kreativität und findet eine kreative Lösung für den Start ihrer neuen Biergeneration Hopfen-Helles. So läd sie am 14. und 15. Mai 2020 zur weltweit ersten Brauerei-Besichtigung im eigenen Auto ein.

Die ursprünglich geplante Veranstaltung mit ca. 3.000 Freunden der Brauerei musste zwar abgesagt werden – die Möglichkeit das neue Bier zu probieren gab es dann aber doch. Wer sich im Vorfeld in der App der Brauerei zu einem Zeitfenster anmeldete, konnte im eigenen Auto seine Bierprobe abholen. Bei der Fahrt über das Gelände und die Produktion erhielten die Gäste interessante Einblicke in die Herstellung und Geschichte der Brauerei. Ein DJ sorgte über die Autoradios für ein unterhaltsames Programm. Damit trotz des großen Andrangs von 1.000 Besuchern alle Hygienemaßnahmen beachtet wurden, warfen professionell ausgebildete Schiedsrichter in voller Montur ein Auge auf die Einhaltung der Regeln. An einer Blitzstation erhielten die Fahrer ein Erinnerungsfoto an diese besondere Brauerei-Besichtigung.

Nach Wochen schlechter Nachrichten und Entbehrungen zeigt unser Fördermitglied und Impulsgeber der Region Westerwald, wie man den Herausforderungen der Coronakrise kreativ begegnen kann.

 
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