Pressemitteilung: Konjunkturumfrage 2026 des BV GFGH – Getränkefachgroßhandel investiert trotz schwieriger Wirtschaftslage in die Zukunft

Pressemitteilung: Konjunkturumfrage 2026 des BV GFGH – Getränkefachgroßhandel investiert trotz schwieriger Wirtschaftslage in die Zukunft

Konjunkturumfrage des BV GFGH unter 109 Mitgliedsunternehmen zeigt: Die gesamtwirtschaftliche Schwäche erreicht zunehmend auch den Getränkefachgroßhandel – dennoch bleibt die Branche investitionsbereit.

  • Das Geschäftsergebnis hat sich gegenüber den Vorjahren deutlich verschlechtert
  • Trotz schwieriger Rahmenbedingungen investieren die Unternehmen weiter
  • 65 Prozent der Befragten bewerten die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen in Deutschland negativ

 

Düsseldorf, 6. Juli 2026 | Die wirtschaftliche Schwäche in Deutschland ist inzwischen auch im Getränkefachgroßhandel deutlich spürbar. Das zeigt die aktuelle Konjunkturumfrage für die Jahre 2025/2026 des Bundesverbandes des Deutschen Getränkefachgroßhandels e.V. (BV GFGH), an der sich 109 Mitgliedsunternehmen beteiligt haben. Steigende Unternehmensinsolvenzen, eine anhaltende Konsumzurückhaltung, hohe Personal- und Logistikkosten sowie unsichere wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen setzen den mittelständischen Getränkefachgroßhandel zunehmend unter Druck. Gleichzeitig zeigt die Erhebung jedoch auch: Die Unternehmen investieren weiterhin gezielt in ihre Zukunft und halten an ihrer langfristigen Ausrichtung fest.

 

Wirtschaftliche Schwäche erreicht den Getränkefachgroßhandel

Während das Geschäftsjahr 2024 noch das stärkste der vergangenen drei Jahre war, zeigt die aktuelle Umfrage für 2025 eine deutliche Eintrübung. Bewerteten 2024 noch 57,2 Prozent der Unternehmen ihr Geschäftsergebnis mit „sehr gut“ oder „gut“, liegt dieser Wert aktuell nur noch bei 34,8 Prozent. Gleichzeitig hat sich der Anteil negativer Bewertungen gegenüber 2023 nahezu vervierfacht und liegt inzwischen bei 10,1 Prozent.

Auch bei Umsatz und Ertrag zeigt sich die angespannte Lage. 44,2 Prozent der BV GFGH-Mitglieder berichten von rückläufigen Umsätzen in den ersten fünf Monaten des Jahres 2026 gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Noch deutlicher fällt die Entwicklung bei der Ertragslage aus: Fast sechs von zehn Unternehmen (59,7 Prozent) mussten sinkende Erträge hinnehmen. Gleichzeitig erwarten 43,1 Prozent der Befragten, dass sich die Situation in den kommenden Monaten weiter verschlechtern wird. „Unsere Unternehmen spüren die anhaltende wirtschaftliche Schwäche inzwischen deutlich. Steigende Kosten, eine verhaltene Konsumstimmung und die allgemeine Unsicherheit in der deutschen Wirtschaft belasten auch den Getränkefachgroßhandel. Umso wichtiger sind jetzt verlässliche wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen, die Investitionen und unternehmerisches Handeln wieder erleichtern“, sagt Dirk Reinsberg, geschäftsführender Vorstand des BV GFGH.

 

Gezielte Investitionen statt Resignation

Trotz der wirtschaftlich angespannten Lage investieren die Getränkefachgroßhändler weiterhin gezielt in ihre Zukunft. Die Entwicklung der vergangenen Jahre zeigt dabei ein differenziertes Bild: Nachdem das erste Halbjahr 2025 durch eine außergewöhnlich hohe Stabilität geprägt war – 72,7 Prozent der Unternehmen hielten ihr Investitionsniveau konstant und lediglich 6,5 Prozent reduzierten ihre Investitionen –, nimmt die Dynamik 2026 wieder deutlich zu. So berichten 24,8 Prozent der Unternehmen von gestiegenen Investitionen, gleichzeitig erhöht sich jedoch auch der Anteil der Betriebe mit rückläufigen Investitionen auf 17,4 Prozent. Der Anteil der Unternehmen mit unveränderten Ausgaben sinkt auf 56,9 Prozent.

Im Vergleich der vergangenen Jahre wird deutlich: Während 2023 von einer hohen Dynamik mit sowohl steigenden als auch sinkenden Investitionen geprägt war, dominierte 2025 die Stabilität. 2026 zeigt nun erneut Bewegung – allerdings unter deutlich schwierigeren wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Die Unternehmen reagieren damit differenziert auf die aktuelle Konjunkturlage: Ein Teil fährt Investitionen zurück, während andere bewusst in die Zukunft ihres Unternehmens investieren.

Besonders erfreulich ist der deutliche Anstieg der Erweiterungsinvestitionen. Nachdem in den vergangenen beiden Jahren jeweils nur rund zwölf Prozent der Unternehmen in den Ausbau ihres Betriebs investierten, liegt dieser Anteil inzwischen bei 19,3 Prozent. Ersatzinvestitionen bleiben mit 62,4 Prozent weiterhin der wichtigste Investitionsschwerpunkt. Die Investitionsbereitschaft in Rationalisierungen ist im Drei-Jahres-Vergleich seit 2023 kontinuierlich gesunken.

Gleichzeitig hat sich der Anteil der Unternehmen, die vollständig auf Investitionen verzichtet haben, gegenüber dem Vorjahr nahezu verdoppelt – von 6,5 auf 11,9 Prozent. Dies verdeutlicht den zunehmenden wirtschaftlichen Druck auf Teile der Branche. „Die Ergebnisse zeigen, dass unsere Branche trotz schwieriger Rahmenbedingungen nicht resigniert. Viele Unternehmen investieren weiterhin gezielt in ihre Zukunft und stärken damit ihre Wettbewerbsfähigkeit“, erklärt Reinsberg.

 

Fachkräftemangel bleibt größte Herausforderung in der Logistik

Die Personalsituation bleibt für den Getränkefachgroßhandel eine der größten Herausforderungen. Der Drei-Jahres-Vergleich zeigt, dass Fahrerinnen und Fahrer kontinuierlich den größten Engpass darstellen. Bereits 2024 entfielen knapp die Hälfte aller vakanten Stellen auf diesen Bereich (48,3 Prozent). 2025 verschärfte sich die Situation weiter und erreichte mit 55,8 Prozent ihren Höchststand, in 2026 liegt der Wert bei 51,4 Prozent. Auch bei den Lagermitarbeitenden zeichnet sich eine Entwicklung ab. Während ihr Anteil an den offenen Stellen 2024 und 2025 jeweils bei rund 39 Prozent lag, sank er 2026 auf 30,5 Prozent.

Die Ergebnisse zeigen, dass sich der Fachkräftemangel zunehmend verlagert, die Logistik jedoch weiterhin der entscheidende Engpass für die Branche bleibt. Insbesondere fehlendes Fahrpersonal erschwert die zuverlässige Belieferung von Gastronomie, Handel und Veranstaltungen und begrenzt die Wachstumsmöglichkeiten vieler Unternehmen.

 

Klare Botschaft an die Politik

Ein besonders deutliches Signal sendet die Umfrage an die Politik: Rund 65 Prozent der befragten Unternehmen bewerten die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen in Deutschland negativ. Als größte Kostentreiber nennen die Unternehmen Personal sowie Transport- und Logistikkosten. Hinzu kommen umfangreiche Dokumentationspflichten, die von den Befragten als größte bürokratische Belastung bewertet werden.

„Wenn nahezu zwei Drittel der Unternehmen die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen negativ bewerten, ist das ein klarer Handlungsauftrag. Der Mittelstand braucht jetzt weniger Bürokratie, mehr Planungssicherheit und wirtschaftspolitische Impulse, die Investitionen ermöglichen statt erschweren. Nur so können unsere Unternehmen ihre wichtige Versorgungsfunktion auch künftig zuverlässig erfüllen“, so der Verbandschef.

 

Über den BV GFGH:

Der Bundesverband des Deutschen Getränkefachgroßhandels e.V. setzt sich seit über 125 Jahren für die politischen und wirtschaftlichen Interessen aller mittelständischen Getränkefachgroßhändler ein. Als moderner Interessenverband vertreten wir rund 450 mittelständische Unternehmen, die über 70 Prozent aller Biere, 40 Prozent aller Mineralwässer, 30 Prozent aller Erfrischungsgetränke sowie 20 Prozent aller fruchthaltigen Getränke managen.

Weitere Infos unter: www.bv-gfgh.de

 

Bei Fragen wenden Sie sich bitte an:

Nicolas Schiffler
Referent für Öffentlichkeitsarbeit | Pressesprecher
E-Mail: Schiffler@bv-gfgh.de
Telefon: +49 211 683938
Mobil: +49 152 04940347

Save the Date: GETRÄNKE. GROSS. HANDELN. 2027

Save the Date: GETRÄNKE. GROSS. HANDELN. 2027

2027 trifft sich das Who is Who der Getränkebranche zu unserem Branchentreffen GETRÄNKE. GROSS. HANDELN. im INFINITY Hotel & Conference Resort Munich in Unterschleißheim/München.

Freuen Sie sich auf zwei spannende Veranstaltungstage mit hochkarätigen Vorträgen und Impulsen, einer exklusiven Ausstellung sowie einem Abend voller Networking und Austausch in kommunikativer Atmosphäre.

GETRÄNKE. GROSS. HANDELN. 2027
am 22./23. Februar 2027
INFINITY Hotel & Conference Resort Munich
Andreas-Danzer-Weg 1–3
85716 Unterschleißheim/München

Hinweis: Der Buchungslink für Zimmer im Tagungshotel wird erst mit dem Versand der Einladung bekanntgegeben. Vielen Dank für Ihre Geduld!

BV GFGH spricht sich gegen Erhöhung der Alkoholsteuer aus – Konsumwandel erfolgt bereits

BV GFGH spricht sich gegen Erhöhung der Alkoholsteuer aus – Konsumwandel erfolgt bereits

Bild: © BV GFGH/KI-generiert

Der Bundesverband des Deutschen Getränkefachgroßhandels (BV GFGH) lehnt eine Erhöhung der Alkoholsteuer ab. Eine solche Maßnahme ist weder erforderlich noch verhältnismäßig. Die Entwicklung des Konsumverhaltens in Deutschland zeigt bereits heute deutlich, dass ein gesellschaftliches Umdenken stattfindet – ohne zusätzliche steuerliche Belastungen für Verbraucherinnen und Verbraucher sowie die mittelständisch geprägte Getränkewirtschaft. Unsere Branche steht seit Jahren unter erheblichem Kostendruck. Steigende Energiepreise, höhere Personalkosten, zunehmende Bürokratie sowie die anhaltende Konsumzurückhaltung vieler Verbraucherinnen und Verbraucher belasten insbesondere mittelständische Betriebe.

Eine zusätzliche Steuererhöhung würde diese Belastungen weiter verschärfen. Sie verteuert Produkte für Konsumentinnen und Konsumenten, schwächt die Wettbewerbsfähigkeit heimischer Unternehmen und gefährdet Investitionen entlang der gesamten Getränkewertschöpfungskette.

Alkoholkonsum sinkt seit Jahrzehnten 

Der Alkoholkonsum in Deutschland befindet sich seit vielen Jahren in einem nachhaltigen Abwärtstrend. Der Pro-Kopf-Verbrauch von reinem Alkohol ist zwischen 2001 und 2024 um rund 22 Prozent zurückgegangen. Der Bierkonsum sank im gleichen Zeitraum um mehr als ein Drittel. Gleichzeitig verzeichneten alkoholfreie Alternativen ein starkes Wachstum. Allein der Konsum alkoholfreier Biere stieg seit der Jahrtausendwende um mehr als 80 Prozent1. Auch aktuelle Erhebungen der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) bestätigen den langfristigen Rückgang des Alkoholkonsums. Der Gesamtverbrauch alkoholischer Getränke pro Kopf ist zuletzt erneut gesunken2. 

Junge Menschen verändern ihr Konsumverhalten 

Die Vorstellung, Alkohol werde in Deutschland unverändert konsumiert und müsse deshalb stärker besteuert werden, wird durch aktuelle Studien nicht gestützt.

Nach Angaben des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) ist der Anteil der Jugendlichen, die regelmäßig Alkohol trinken, seit Jahren rückläufig. Gleichzeitig steigt der Anteil derjenigen, die noch nie Alkohol konsumiert haben3.

Eine aktuelle Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Ernährung verweist ebenfalls darauf, dass regelmäßiger, riskanter und exzessiver Alkoholkonsum bei Jugendlichen seit 2001 kontinuierlich zurückgeht4. Besonders bemerkenswert: Deutschland weist europaweit einen der höchsten Anteile junger Erwachsener auf, die vollständig auf Alkohol verzichten. Fast jeder zweite Angehörige der Generation Z gibt an, keinen Alkohol zu trinken5.

Prävention und gesellschaftlicher Wandel wirken

Die vorliegenden Daten zeigen, dass Präventionsarbeit, Aufklärung und ein verändertes Gesundheitsbewusstsein bereits zu einer nachhaltigen Veränderung des Konsumverhaltens führen. Der Trend zu alkoholfreien Alternativen, ein bewussterer Lebensstil sowie ein verändertes Freizeitverhalten prägen insbesondere die jüngeren Generationen.

Der BV GFGH erkennt die Bedeutung eines verantwortungsvollen Umgangs mit alkoholhaltigen Getränken ausdrücklich an und unterstützt wirksame Präventionsmaßnahmen. Die aktuellen Entwicklungen zeigen jedoch, dass der gesellschaftliche Wandel bereits stattfindet.

Vor diesem Hintergrund ist eine weitere Erhöhung der Alkoholsteuer nicht sinnvoll. Sie würde Verbraucherinnen und Verbraucher sowie mittelständische Unternehmen zusätzlich belasten, ohne dass ein zusätzlicher gesundheitspolitischer Nutzen erkennbar wäre.

Die Politik sollte die nachweisbaren Erfolge von Prävention, Aufklärung und Eigenverantwortung anerkennen und diesen Weg konsequent weitergehen, statt auf zusätzliche steuerliche Belastungen zu setzen.

  1. Deutscher Brauer-Bund (2026): Fakten zum Alkoholkonsum in Deutschland. Stand Mai 2026, S. 1.
  2. DHS: Alkohol – Zahlen, Daten, Fakten: https://www.dhs.de/suechte/alkohol/zahlen-daten-fakten/
  3. Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) 2024: Die Drogenaffinität Jugendlicher in der Bundesrepublik Deutschland 2023 und Deutscher Brauer-Bund (2026): Fakten zum Alkoholkonsum in Deutschland. Stand Mai 2026, S. 3.
  4. Positionspapier der Deutschen Gesellschaft für Ernährung: Alkohol – Zufuhr in Deutschland, gesundheitliche sowie soziale Folgen und Ableitung von Handlungsempfehlungen
  5. BZgA: Drogen Affinität Jugendlicher in der Bundesrepublik Deutschland
Erfolgreiches Symposium „Getränkelogistik 2030 – Zerstörung und Innovation!“ von Huesch & Partner und BV GFGH 2026

Erfolgreiches Symposium „Getränkelogistik 2030 – Zerstörung und Innovation!“ von Huesch & Partner und BV GFGH 2026

Foto: P. Pfeiffer / Meininger Verlag

Am 22. und 23. April fand erneut unter der Schirmherrschaft des BV GFGH das Huesch Symposium von Huesch & Partner Logistikberater statt. Mittendrin waren auch die Redakteure vom Sachon Verlag und der Getränke Zeitung.

Im Branchenmedium „frisch eingeschenkt“ heißt es unter anderem: „Das große Interesse am Symposium zeigte, dass die Herausforderungen und Chancen in der Getränkelogistik die Branche mehr denn je bewegen. Inhaltlich spannte sich der Bogen über zentrale Zukunftsthemen wie Nachhaltigkeitsansätze und deren praktische Umsetzung, den Einsatz neuer Technologien und Automatisierung, regionale Absicherungsstrategien oder effiziente Kostenoptimierungsmöglichkeiten.“

Insgesamt bot sich eine beeindruckende Veranstaltung mit hochkarätigen Referenten, relevanten Inhalten und vielen Denkanstößen für die Zukunft des GFGH.

Und auch die Getränke Zeitung hat einen interessanten Artikel zum Huesch Symposium geschrieben. Den Beitrag finden Sie im Download. 

„Auf Top-Niveau – GETRÄNKE. GROSS. HANDELN. 2026“ – Artikel im GFGH

„Auf Top-Niveau – GETRÄNKE. GROSS. HANDELN. 2026“ – Artikel im GFGH

GETRÄNKE. GROSS. HANDELN. 2026 – Alle Jahre wieder: Klassentreffen der Getränkebranche bei GGH

GETRÄNKE. GROSS. HANDELN. 2026 – Alle Jahre wieder: Klassentreffen der Getränkebranche bei GGH

Fotos: © BV GFGH/Jan Düfelsiek

„GETRÄNKE. GROSS. HANDELN. hat sich zu dem führenden Branchen-Happening entwickelt“, sagte Dirk Reinsberg im Vorfeld der Veranstaltung. Und er sollte Recht behalten: Über 600 Gäste, 33 Präsentationsstände sowie acht Referentinnen und Referenten in fünf hochklassigen Vorträgen untermauern diese Einschätzung. Beim Kommunikationsabend war den Teilnehmenden die Freude über diese Veranstaltung deutlich anzumerken.

Auch die #NetzwerkJunioren des Bundesverbandes des Deutschen Getränkefachgroßhandels trafen sich erneut im Vorfeld des Events. Dabei stand die gegenseitige Vernetzung und das „voneinander lernen“ im Fokus. Das Haus der Deutschen Geschichte in Bonn bot der jungen Generation spannende Eindrücke.

Turnusgemäß startete GETRÄNKE. GROSS. HANDELN. 2026 für die Mitglieder des Verbandes mit der internen Mitgliederversammlung. Nach einer kurzen Begrüßung durch Dirk Reinsberg machte Beiratsvorsitzender Eric Boecken deutlich: Die wirtschaftliche Lage ist angespannt, Deutschland befindet sich in der Rezession und auch 2026 wird voraussichtlich von Stagnation geprägt sein. Der Bierabsatz verzeichnet den stärksten Rückgang seit 1993 – für viele eine echte Zäsur. Auch Wein und Spirituosen sind rückläufig. Mineralwasser bleibt hingegen Durstlöscher Nummer eins in Deutschland und auch die Kampagne „Pro Mineralwasser“ in der Gastronomie wird konsequent fortgeführt. Klar ist: Die Branchenlandschaft wird sich verändern – und genau deshalb gilt es, Chancen aktiv zu nutzen. Der Getränkefachgroßhandel hat in der Vergangenheit gezeigt, dass er wandlungsfähig ist.

Zu den strategischen Schwerpunkten zählen:

  • die Weiterentwicklung von Mehrweg-Dienstleistungen,
  • die politische Arbeit rund um PPWR und Verpackungsdurchführungsgesetz,
  • intensive Gespräche mit politischen Entscheidungsträgern,
  • sowie der Ausbau des neuen BV GFGH Kompetenzzentrums.

Eine vorgestellte Umfrage zum Thema Mehrweg-Littering zeigte zudem: Viele Städte sehen kein relevantes Littering-Problem bei Mehrweg-Glasflaschen. Mehrweg bleibt damit ein zentraler Baustein nachhaltiger Getränkelogistik.

Im Rahmen der Mitgliederversammlung führte Dirk Reinsberg durch die Tagesordnung. Neben Regularien, Jahresabschlüssen sowie der Entlastung von Beirat und Vorstand standen auch Wahlen auf dem Programm: Frank Hartung und Lisa Behn wurden einstimmig als KassenprüferInnen wiedergewählt. Dem ehemaligen und langjährigen Kassenprüfer Hermann J. Schreiber wurde ausdrücklich für sein jahrzehntelanges Engagement gedankt.

Auftakt mit Auszeichnung und starkem Bekenntnis zu Mehrweg 

Die Preisverleihung „Deutschlands beste Getränkehändler“ eröffnete den offiziellen Teil von GETRÄNKE. GROSS. HANDELN. in diesem Jahr. In Kooperation mit der Rundschau für den Lebensmittelhandel wurden herausragende Konzepte in den Kategorien Getränkefachmarkt (Getränkehaus Plöchl, Weiden), Weinwelt (Kaufland Steinheim an der Murr) und Filialkonzept (FRISTO SE, Buchloe) prämiert – bewertet nach Sortimentsleistung, -pflege, Gestaltung und Gesamterscheinungsbild.

In seiner anschließenden Eröffnungsrede betonte Dirk Reinsberg die gewachsene Bedeutung von GETRÄNKE. GROSS. HANDELN. als Plattform für Austausch, Impulse und strategische Orientierung. Ein besonderer Dank galt den Ausstellern und Sponsoren für ihre langjährige Partnerschaft des Kommunikationsabends.

Inhaltlich stand ein Thema klar im Mittelpunkt: Mehrweg. Es ist die Grundlage eines erfolgreichen Geschäftsmodells im Getränkefachgroßhandel – ökologisch wie ökonomisch. Entscheidend ist die systematische Vernetzung entlang der gesamten Supply Chain. Abfallvermeidung durch Wiederverwendung bleibt die zukunftsfähigste Lösung. Seit über 20 Jahren steht das Mehrwegzeichen für eine deutsche Erfolgsgeschichte – getragen von regionalen wie nationalen Marken.

Gleichzeitig wurde die angespannte wirtschaftspolitische Lage deutlich benannt: Rezession, steigende Insolvenzen, hohe Energiepreise, stockende Digitalisierung und zunehmende Bürokratie belasten viele mittelständische Betriebe erheblich. Klare Forderung der Branche: verlässliche Rahmenbedingungen, strukturelle Reformen und spürbare Entlastungen.

Digitalisierung und KI: Vom Experiment zur strategischen Kompetenz 

Am Donnerstagabend setzte Digitalökonomin Katrin-Cécile Ziegler einen starken Impuls für die Zukunftsfähigkeit der Branche. Die Digitalisierung im Getränkefachgroßhandel ist derzeit noch heterogen – gleichzeitig verfügen die Unternehmen über ausgeprägte Risiko-Intelligenz und damit gute Voraussetzungen für strategische Transformation.

Ihre Botschaft: Daten werden nur besser, wenn man beginnt die KI zu nutzen und mit ihr experimentiert. KI ist kein disruptives Großprojekt, sondern ein Instrument zur Unterstützung bestehender Entscheidungsprozesse. Besonders stark ist sie bei Mikroentscheidungen – beim Erkennen von Mustern, beim Systematisieren von Erfahrungswissen und bei Marktvergleichen. Voraussetzung sind eine konsistente Datenbasis, klare Zielsetzungen, Transparenz und eine Unternehmenskultur, die Lernen ermöglicht.

Anschließend bot sich den Teilnehmenden der Veranstaltung viel Zeit zum gemeinsamen Austausch und Netzwerken beim Kommunikationsabend. Es ist schön zu sehen, wie positiv und ausgelassen die Branche miteinander ins Gespräch kommt. Das macht Mut für die Zukunft.

Galerien mit Impressionen der gesamten Veranstaltung finden Sie am Ende des Beitrags.

Am nächsten Morgen knüpfte Pascal Salmen, Geschäftsführer der KI-Plattform acto GmbH, inhaltlich und praxisnah an den Vortrag von Katrin-Cécile Ziegler an und zeigte, wie KI im Vertriebsalltag konkret eingesetzt werden kann. Seine Botschaft: 44 Prozent der Außendienstler gehen in den kommenden 15 Jahren in den Ruhestand – mit ihnen droht wertvolles Erfahrungswissen verloren zu gehen. KI kann helfen, dieses implizite Wissen zu sichern, Chancen sichtbar zu machen und Vertrieb strategisch zu stärken. Der Außendienst bleibt zentral – wird jedoch datenbasiert unterstützt.

Neue Konsumrealitäten und veränderte Kundenbedürfnisse 

Mit seinem Vortrag „Zwischen Kiste und Kontext“ zeigte Marketing-Experte Dr. Uwe Lebok von KONTEXT + ANALYSE eindrucksvoll, wie stark sich Getränkeindustrie und Getränkefachgroßhandel im Wandel befinden – und warum wir neue Kunden gewinnen müssen, wenn andere verloren gehen. Mit Blick auf die statistische Erhebung im Sachon-Barometer wurde deutlich, dass der Konsum von Alkohol zurückgeht. Die Trinkanlässe bleiben weiterhin bestehen. Alkoholfreies Bier wächst dynamisch, Mineralwasser legt zu, klassische Bier- und Weinsegmente sind rückläufig. 82 Prozent der Konsumenten achten auf zuckerreduzierte Produkte. Die Gen Z konsumiert situativ, funktional und weniger traditionsgebunden – sie sucht Inspiration.

Für den Getränkefachgroßhandel bedeutet das: Es reicht nicht mehr, nur Kisten zu bewegen. Entscheidend ist, Konsumkontexte aktiv mitzugestalten.

Nachhaltigkeit bleibt wirtschaftlich relevant 

Wie kann nachhaltiges Wirtschaften entlang der gesamten Wertschöpfungskette gelingen? Dieser Frage widmete sich die hochkarätig besetzte Runde mit Dr. Axel Kölle (Zentrum für Nachhaltige Unternehmensführung), Markus Frieben (Nachhaltigkeitsbeauftragter bei Borussia Mönchengladbach), Thomas Nuhn (Geschäftsführer trinkkontor) und Stefan Kauß (Leiter Nachhaltigkeit bei Bitburger Braugruppe) – mit spannenden Einblicken aus Industrie, Großhandel und Profifußball.

Ja, es stimmt: Nachhaltigkeit hat in der öffentlichen Wahrnehmung zuletzt an Präsenz verloren – ist aber wirtschaftlich relevanter denn je. Gerade regulatorische Vorgaben erhöhen den Handlungsdruck entlang der gesamten Lieferkette. Beim Getränkefachgroßhändler trinkkontor wird Nachhaltigkeit strategisch für alle Standorte gedacht – mit konkretem Ziel- und Maßnahmenplan. Mitarbeitende werden aktiv eingebunden, digitale Tools wie AI Sales oder AI Beverage sorgen für Transparenz und wirtschaftlichere Prozesse. Ein wichtiger Nebeneffekt: Nachhaltigkeit stärkt die Mitarbeiterbindung und -gewinnung spürbar.

Ein besonderes Praxisbeispiel lieferte Markus Frieben von Borussia Mönchengladbach: Nachhaltigkeit wird im Club interdisziplinär gedacht – auf dem Platz wie in der Geschäftsstelle. Täglich ist eine Schulklasse zur gesellschaftspolitischen Bildung zu Gast. Nachhaltige Partnerschaften, etwa mit Bitburger, werden sichtbar gelebt – zum Beispiel im „Bitburger Blühgarten“ am Stadion.

Die Botschaft ist klar: Nachhaltigkeit funktioniert dann besonders wirksam, wenn Industrie, Großhandel und Anwender eng zusammenarbeiten. Gerade der Getränkefachgroßhandel spielt dabei als Bindeglied eine entscheidende Rolle.

Zukunftstrends waren Teil von GGH 

Zum Abschluss unseres Branchenevents richtete Marktforscher und Geschäftsführer des IFH Köln, Dr. Kai Hudetz den Blick auf das Kaufverhalten der Zukunft: Viele Verbraucher befinden sich im Krisenmodus. Gleichzeitig wächst der Online-Handel, Social Media prägt Kaufimpulse und für fast die Hälfte der Konsumenten beginnt die Customer Journey digital. Wer online nicht sichtbar ist, findet in der Kaufentscheidung nicht statt. Preis-Leistungs-Führerschaft bedeutet heute: Bequemlichkeit, Inspiration, Verfügbarkeit und digitale Präsenz strategisch zu verbinden.

Herzlichen Dank an alle, die dabei waren – ob auf der Bühne oder im Publikum. Es war uns eine große Freude!

 

Schon jetzt im Kalender vormerken: GETRÄNKE. GROSS. HANDELN. 2027 findet am 22. & 23. Februar im INFINITY Hotel & Conference Resort Munich in Unterschleißheim bei München statt.

 

Hier finden Sie Galerien mit Impressionen der Veranstaltung (© BV GFGH/Jan Düfelsiek)