Der Getränkefachgroßhandel gerät wirtschaftlich zunehmend unter Druck. In unserer aktuellen Konjunkturumfrage berichten sechs von zehn Unternehmen von sinkenden Erträgen, 44,2 Prozent melden rückläufige Umsätze. Im Interview mit Getränke News ordnet unser geschäftsführender Vorstand Dirk Reinsberg die Zahlen ein und erklärt, welche politischen Weichenstellungen die Branche jetzt braucht.
Reinsberg beschreibt ein Zusammenspiel dreier Faktoren: anhaltende Konsumzurückhaltung, steigende Kosten bei Personal, Transport und Logistik sowie Margen, die dadurch zusätzlich unter Druck geraten. Selbst hohe Temperaturen und die Fußball-Weltmeisterschaft hätten der Branche bislang keinen spürbaren Nachfrageschub gebracht – viele Verbraucher hielten ihr Geld angesichts negativer Wirtschaftsnachrichten weiter zusammen.
Besonders alarmierend: Der Anteil der Unternehmen, die vollständig auf Investitionen verzichten, hat sich auf 11,9 Prozent nahezu verdoppelt. Zwar ließen sich Investitionen kurzfristig aufschieben, so Reinsberg, dauerhaft koste das aber Effizienz und Wettbewerbsfähigkeit.
Als größte personelle Herausforderung nennt er den anhaltenden Fahrermangel, der zunehmend die zuverlässige Belieferung von Gastronomie und Handel gefährdet – kleinere Kunden hätten dabei häufig das Nachsehen. Der BV GFGH setzt sich daher seit Jahren für Erleichterungen beim Berufskraftfahrerqualifikationsgesetz ein, um kurze regionale Liefertouren von den strengen Anforderungen des schweren Fernverkehrs zu entkoppeln.
Mit Blick auf die Politik fordert Reinsberg vor allem konsequenten Bürokratieabbau: Dokumentations-, Nachweis- und Überprüfungspflichten würden gerade kleinere Betriebe zunehmend überfordern. Rund 65 Prozent der Unternehmen bewerten die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen bereits negativ.
Das vollständige Interview aus den Getränke News vom 15.07.2026 mit weiteren Einblicken in Investitionsverhalten, Marktkonsolidierung und die mittelfristigen Perspektiven der Branche lesen Sie hier: