Fotos: © BV GFGH/Jan Düfelsiek

„GETRÄNKE. GROSS. HANDELN. hat sich zu dem führenden Branchen-Happening entwickelt“, sagte Dirk Reinsberg im Vorfeld der Veranstaltung. Und er sollte Recht behalten: Über 600 Gäste, 33 Präsentationsstände sowie acht Referentinnen und Referenten in fünf hochklassigen Vorträgen untermauern diese Einschätzung. Beim Kommunikationsabend war den Teilnehmenden die Freude über diese Veranstaltung deutlich anzumerken.

Auch die #NetzwerkJunioren des Bundesverbandes des Deutschen Getränkefachgroßhandels trafen sich erneut im Vorfeld des Events. Dabei stand die gegenseitige Vernetzung und das „voneinander lernen“ im Fokus. Das Haus der Deutschen Geschichte in Bonn bot der jungen Generation spannende Eindrücke.

Turnusgemäß startete GETRÄNKE. GROSS. HANDELN. 2026 für die Mitglieder des Verbandes mit der internen Mitgliederversammlung. Nach einer kurzen Begrüßung durch Dirk Reinsberg machte Beiratsvorsitzender Eric Boecken deutlich: Die wirtschaftliche Lage ist angespannt, Deutschland befindet sich in der Rezession und auch 2026 wird voraussichtlich von Stagnation geprägt sein. Der Bierabsatz verzeichnet den stärksten Rückgang seit 1993 – für viele eine echte Zäsur. Auch Wein und Spirituosen sind rückläufig. Mineralwasser bleibt hingegen Durstlöscher Nummer eins in Deutschland und auch die Kampagne „Pro Mineralwasser“ in der Gastronomie wird konsequent fortgeführt. Klar ist: Die Branchenlandschaft wird sich verändern – und genau deshalb gilt es, Chancen aktiv zu nutzen. Der Getränkefachgroßhandel hat in der Vergangenheit gezeigt, dass er wandlungsfähig ist.

Zu den strategischen Schwerpunkten zählen:

  • die Weiterentwicklung von Mehrweg-Dienstleistungen,
  • die politische Arbeit rund um PPWR und Verpackungsdurchführungsgesetz,
  • intensive Gespräche mit politischen Entscheidungsträgern,
  • sowie der Ausbau des neuen BV GFGH Kompetenzzentrums.

Eine vorgestellte Umfrage zum Thema Mehrweg-Littering zeigte zudem: Viele Städte sehen kein relevantes Littering-Problem bei Mehrweg-Glasflaschen. Mehrweg bleibt damit ein zentraler Baustein nachhaltiger Getränkelogistik.

Im Rahmen der Mitgliederversammlung führte Dirk Reinsberg durch die Tagesordnung. Neben Regularien, Jahresabschlüssen sowie der Entlastung von Beirat und Vorstand standen auch Wahlen auf dem Programm: Frank Hartung und Lisa Behn wurden einstimmig als KassenprüferInnen wiedergewählt. Dem ehemaligen und langjährigen Kassenprüfer Hermann J. Schreiber wurde ausdrücklich für sein jahrzehntelanges Engagement gedankt.

Auftakt mit Auszeichnung und starkem Bekenntnis zu Mehrweg 

Die Preisverleihung „Deutschlands beste Getränkehändler“ eröffnete den offiziellen Teil von GETRÄNKE. GROSS. HANDELN. in diesem Jahr. In Kooperation mit der Rundschau für den Lebensmittelhandel wurden herausragende Konzepte in den Kategorien Getränkefachmarkt (Getränkehaus Plöchl, Weiden), Weinwelt (Kaufland Steinheim an der Murr) und Filialkonzept (FRISTO SE, Buchloe) prämiert – bewertet nach Sortimentsleistung, -pflege, Gestaltung und Gesamterscheinungsbild.

In seiner anschließenden Eröffnungsrede betonte Dirk Reinsberg die gewachsene Bedeutung von GETRÄNKE. GROSS. HANDELN. als Plattform für Austausch, Impulse und strategische Orientierung. Ein besonderer Dank galt den Ausstellern und Sponsoren für ihre langjährige Partnerschaft des Kommunikationsabends.

Inhaltlich stand ein Thema klar im Mittelpunkt: Mehrweg. Es ist die Grundlage eines erfolgreichen Geschäftsmodells im Getränkefachgroßhandel – ökologisch wie ökonomisch. Entscheidend ist die systematische Vernetzung entlang der gesamten Supply Chain. Abfallvermeidung durch Wiederverwendung bleibt die zukunftsfähigste Lösung. Seit über 20 Jahren steht das Mehrwegzeichen für eine deutsche Erfolgsgeschichte – getragen von regionalen wie nationalen Marken.

Gleichzeitig wurde die angespannte wirtschaftspolitische Lage deutlich benannt: Rezession, steigende Insolvenzen, hohe Energiepreise, stockende Digitalisierung und zunehmende Bürokratie belasten viele mittelständische Betriebe erheblich. Klare Forderung der Branche: verlässliche Rahmenbedingungen, strukturelle Reformen und spürbare Entlastungen.

Digitalisierung und KI: Vom Experiment zur strategischen Kompetenz 

Am Donnerstagabend setzte Digitalökonomin Katrin-Cécile Ziegler einen starken Impuls für die Zukunftsfähigkeit der Branche. Die Digitalisierung im Getränkefachgroßhandel ist derzeit noch heterogen – gleichzeitig verfügen die Unternehmen über ausgeprägte Risiko-Intelligenz und damit gute Voraussetzungen für strategische Transformation.

Ihre Botschaft: Daten werden nur besser, wenn man beginnt die KI zu nutzen und mit ihr experimentiert. KI ist kein disruptives Großprojekt, sondern ein Instrument zur Unterstützung bestehender Entscheidungsprozesse. Besonders stark ist sie bei Mikroentscheidungen – beim Erkennen von Mustern, beim Systematisieren von Erfahrungswissen und bei Marktvergleichen. Voraussetzung sind eine konsistente Datenbasis, klare Zielsetzungen, Transparenz und eine Unternehmenskultur, die Lernen ermöglicht.

Anschließend bot sich den Teilnehmenden der Veranstaltung viel Zeit zum gemeinsamen Austausch und Netzwerken beim Kommunikationsabend. Es ist schön zu sehen, wie positiv und ausgelassen die Branche miteinander ins Gespräch kommt. Das macht Mut für die Zukunft.

Galerien mit Impressionen der gesamten Veranstaltung finden Sie am Ende des Beitrags.

Am nächsten Morgen knüpfte Pascal Salmen, Geschäftsführer der KI-Plattform acto GmbH, inhaltlich und praxisnah an den Vortrag von Katrin-Cécile Ziegler an und zeigte, wie KI im Vertriebsalltag konkret eingesetzt werden kann. Seine Botschaft: 44 Prozent der Außendienstler gehen in den kommenden 15 Jahren in den Ruhestand – mit ihnen droht wertvolles Erfahrungswissen verloren zu gehen. KI kann helfen, dieses implizite Wissen zu sichern, Chancen sichtbar zu machen und Vertrieb strategisch zu stärken. Der Außendienst bleibt zentral – wird jedoch datenbasiert unterstützt.

Neue Konsumrealitäten und veränderte Kundenbedürfnisse 

Mit seinem Vortrag „Zwischen Kiste und Kontext“ zeigte Marketing-Experte Dr. Uwe Lebok von KONTEXT + ANALYSE eindrucksvoll, wie stark sich Getränkeindustrie und Getränkefachgroßhandel im Wandel befinden – und warum wir neue Kunden gewinnen müssen, wenn andere verloren gehen. Mit Blick auf die statistische Erhebung im Sachon-Barometer wurde deutlich, dass der Konsum von Alkohol zurückgeht. Die Trinkanlässe bleiben weiterhin bestehen. Alkoholfreies Bier wächst dynamisch, Mineralwasser legt zu, klassische Bier- und Weinsegmente sind rückläufig. 82 Prozent der Konsumenten achten auf zuckerreduzierte Produkte. Die Gen Z konsumiert situativ, funktional und weniger traditionsgebunden – sie sucht Inspiration.

Für den Getränkefachgroßhandel bedeutet das: Es reicht nicht mehr, nur Kisten zu bewegen. Entscheidend ist, Konsumkontexte aktiv mitzugestalten.

Nachhaltigkeit bleibt wirtschaftlich relevant 

Wie kann nachhaltiges Wirtschaften entlang der gesamten Wertschöpfungskette gelingen? Dieser Frage widmete sich die hochkarätig besetzte Runde mit Dr. Axel Kölle (Zentrum für Nachhaltige Unternehmensführung), Markus Frieben (Nachhaltigkeitsbeauftragter bei Borussia Mönchengladbach), Thomas Nuhn (Geschäftsführer trinkkontor) und Stefan Kauß (Leiter Nachhaltigkeit bei Bitburger Braugruppe) – mit spannenden Einblicken aus Industrie, Großhandel und Profifußball.

Ja, es stimmt: Nachhaltigkeit hat in der öffentlichen Wahrnehmung zuletzt an Präsenz verloren – ist aber wirtschaftlich relevanter denn je. Gerade regulatorische Vorgaben erhöhen den Handlungsdruck entlang der gesamten Lieferkette. Beim Getränkefachgroßhändler trinkkontor wird Nachhaltigkeit strategisch für alle Standorte gedacht – mit konkretem Ziel- und Maßnahmenplan. Mitarbeitende werden aktiv eingebunden, digitale Tools wie AI Sales oder AI Beverage sorgen für Transparenz und wirtschaftlichere Prozesse. Ein wichtiger Nebeneffekt: Nachhaltigkeit stärkt die Mitarbeiterbindung und -gewinnung spürbar.

Ein besonderes Praxisbeispiel lieferte Markus Frieben von Borussia Mönchengladbach: Nachhaltigkeit wird im Club interdisziplinär gedacht – auf dem Platz wie in der Geschäftsstelle. Täglich ist eine Schulklasse zur gesellschaftspolitischen Bildung zu Gast. Nachhaltige Partnerschaften, etwa mit Bitburger, werden sichtbar gelebt – zum Beispiel im „Bitburger Blühgarten“ am Stadion.

Die Botschaft ist klar: Nachhaltigkeit funktioniert dann besonders wirksam, wenn Industrie, Großhandel und Anwender eng zusammenarbeiten. Gerade der Getränkefachgroßhandel spielt dabei als Bindeglied eine entscheidende Rolle.

Zukunftstrends waren Teil von GGH 

Zum Abschluss unseres Branchenevents richtete Marktforscher und Geschäftsführer des IFH Köln, Dr. Kai Hudetz den Blick auf das Kaufverhalten der Zukunft: Viele Verbraucher befinden sich im Krisenmodus. Gleichzeitig wächst der Online-Handel, Social Media prägt Kaufimpulse und für fast die Hälfte der Konsumenten beginnt die Customer Journey digital. Wer online nicht sichtbar ist, findet in der Kaufentscheidung nicht statt. Preis-Leistungs-Führerschaft bedeutet heute: Bequemlichkeit, Inspiration, Verfügbarkeit und digitale Präsenz strategisch zu verbinden.

Herzlichen Dank an alle, die dabei waren – ob auf der Bühne oder im Publikum. Es war uns eine große Freude!

 

Schon jetzt im Kalender vormerken: GETRÄNKE. GROSS. HANDELN. 2027 findet am 22. & 23. Februar im INFINITY Hotel & Conference Resort Munich in Unterschleißheim bei München statt.

 

Hier finden Sie Galerien mit Impressionen der Veranstaltung (© BV GFGH/Jan Düfelsiek)